Original paper

Windwirkungen

Philippi, Emil

Kurzfassung

Herr E. Philippi sprach über Windwirkungen, die er auf der deutschen Südpolar-Expedition beobachten konnte. Die Capverden-Insel St. Vincent liegt im Gebiete des Nordost-Passates. Durch diesen sehr beständigen und trockenen Wind werden die Dünensande in den Tälern der Ostseite talaufwärts geblasen und überschreiten die Gebirgskämme zuweilen in bedeutenden Höhen (bis zu 200 m). Jenseits der Kämme lagert sich der Sand im Windschatten ab; diese Sandmassen der Leeseite sehen Gletscherzungen täuschend ähnlich. Die seltenen, aber in dem baumlosen Gelände sehr wirksamen Regengüsse zerstören diese Sandablagerungen teilweise und lagern ihr Material in der Küstenebene östlich von dem Hauptorte Mindello ab. So ereignet sich der merkwürdige Fall, daß die Binnendünen landeinwärts von Mindello ihr Material nicht von dem nahe gelegenen Oststrande der Bucht von Porto Grande beziehen, sondern von der weit entfernten Salamassa-Bucht an der Nordostseite der Insel. In noch großartigerem Maßstabe finden Wanderungen des Flugsandes auf der Cap-Halbinsel statt, dem gebirgigen Vorsprunge Südafrikas, der Capstadt und den Tafelberg trägt. Zwischen dem weiten Becken der False Bay im Osten und dem Atlantischen Ozean im Westen ist dieser Sporn der vollen Wut der Südoststürme im Sommer, der Nordweststürme im Winter ausgesetzt. Doch scheinen nur die Südoststurme der trockenen Jahreszeit größere Massen von Sand zu bewegen. Die Dünensande überschreiten an den niedriger gelegenen Stellen die Wasserscheide der Halbinsel. Sie bewältigen aber auch steilere Abhänge und lagern sich gleich Schnee auf den Gesimsen des Gebirges ab. Im Glen Cairn haben die ansteigenden Sandmassen eine Proteaceen-Vegetation vernichtet; die Holzteile, welche dauernd vom Sand eingehüllt waren, haben eine rapide Verkalkung und Verkieselung erfahren, von der organischen Substanz sind meist nur einige verkohlte Fasern im Inneren der Stämme übrig geblieben.