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Beitrag zur Gesteinskunde des Kiautschou-Schutz-Gebietes.

Rinne, Fritz

Kurzfassung

Die geologischen Verhältnisse im Kiautschou-Schutzgebiet sind bislang so gut wie unbekannt geblieben. Prof. F. v. Richthofen hat auf seinen bewunderungswürdigen, weiten Untersuchungsreisen in China das jetzige Deutsch-China nicht berührt. Auf der Schantung-Karte, die F. Koerfer im Auftrage des Reichs-Marineamts aufgenommen und 1901 veröffentlicht hat, ist das Schutzgebiet fast gleichmäßig mit dem für ,Gneis, Glimmerschiefer" vorgesehenen Farbenton überdeckt unter Einzeichnung einiger Gänge und eines rundlichen Vorkommens von ,Eruptivgesteinen" bei Tsingtau bezw. Tsangkou. Ließ diese Angabe keine große Mannigfaltigkeit in der Gesteinswelt des Schutzgebietes vermuten, so war es für mich eine angenehme Überraschung, bei Gelegenheit eines mehrwöchentlichen Aufenthaltes in Tsingtau im Frühjahr 1903 eine schöne Fülle von Typen eruptiver und sedimentärer Gesteine zu finden. Sie verdienen eine nähere Erläuterung. Ich gestatte mir, im folgenden auf die wichtigsten der von mir angetroffenen petrographischen Verhältnisse kurz hinzuweisen. Wenn man sich auf der Fahrt von Schanghai der Reede von Tsingtau, der Europäerstadt Deutsch-Chinas, nähert, so bietet sich ein Bild von nicht geringer landschaftlicher Schönheit dar; sie wird bedingt durch die Vereinigung von Land und Meer, die sich in prächtig geschwungenen Küstenlinien berühren, in die weite Wasserfläche gestreute Inseln und durch den Gegensatz zwischen im Osten und im Westen hoch aufragenden, merkwürdig zackigen Gebirgskämmen und einem hügeligen Vordergrunde. Der westliche Zug ist das Perlgebirge (Hsiau tschu schan), das schätzensweise wohl fast 1000 m Höhe erreicht, das östliche Gebirge der Lauschan (= beschwerlicher Berg), der im Lauting (ting = Gipfel) 1130 m aufragt, Erhebungen, die zufolge ihrer Lage nahe am Strande zu voller Wirkung kommen.