Original paper

Über tertiäre Brachiopoden von Oamaru, Südinsel Neu-Seeland.

Boehm, Georg

Kurzfassung

In dieser Zeitschrift 52, 1900, S. 174 berichtete ich über geologische Untersuchungen, die ich im Februar jenes Jahres bei Oamaru auf der Südinsel Neu-Seelands ausgeführt habe. Das Städtchen Oamaru ist mit der Bahn bequem zu erreichen und auch die vier Fundpunkte, die a. a. O. genannt werden, sind leicht zugänglich. Alle vier haben manche interessante, paläontologische Funde geliefert, aber ich muß die Bearbeitung hinausschieben, weil mich das überaus reiche Material aus den Molukken und ans Niederländisch Neu-Guinea völlig in Anspruch nimmt. Deshalb beschränke ich mich auch im nachfolgenden auf ein Brachiopoden-Vorkommen in ,Everetts Steinbruch bei Kakanui", das mir eigenartig genug erscheint, um kurz für sich beschrieben zu werden. Everetts Steinbruch mit Kalkofen liegt an einer Fahrstraße ca. 12 km südlich von Oamaru. Der dort gewonnene Kalk ist meist rein weiß, zuweilen aber auch durch Verwitterung gelblich gefärbt. Er besteht häufig fast ausschließlich aus Trümmern von Fossilien, wie Bryozoen, Brachiopoden, Pelecypoden und Gastropoden. Die Brachiopoden besonders bilden zuweilen förmlich Schichten, und mit Vorsicht kann man ihre ganzen Gehäuse, speziell aus den gelblichen, etwas verwitterten Schichten, herauspräparieren. Man unterscheidet äußerlich eine kleine Terebratulina mit feinen, radialen Linien und eine größere Terebrateln-Art ohne radiale Skulptur. Das alles ist nicht weiter auffallend. Eigenartig aber scheint mir, daß die Brachiopoden-Gehäuse fast immer hohl sind - nur hier und da enthalten sie etwas Fossiliengrus - und daß in den hohlen Gehäusen die Gerüste sich stets tadellos erhalten haben. Bei dem Zerschlagen des Gesteins springt bald die Ventral-, bald die Dorsalklappe ab, alsdann sieht man die Zähne, die Zahngruben, den Schloßfortsatz und überaus häufig die Armschleifen von vorn oder von hinten.