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Der jüngere baltische Eisstrom in Posen, West- und Ostpreussen.

Jentzsch, Alfred

Kurzfassung

Eine der auffallendsten Erscheinungen in dem geologischen Kartenbilde des norddeutschen Flachlandes ist die weitklaffende Lücke, welche die große pommersche Endmoräne von den aus Ostpreussen beschriebenen Endmoränenstücken trennt. Diese Lücke umfaßt einen erheblichen Teil der Provinz Westpreußen und insbesondere das ganze, vom Verf. kartierte Gebiet vom Weichseldelta bei Marienburg bis zur russischen Grenze bei Gollub. Ein kartierter Streifen durchquert also die Gegend, in welcher Theoretiker die Fortsetzung der pommerschen Haupt-Endmoräne nach Osten gesucht haben. Zwar finden sich hier, wie in anderen Gegenden des norddeutschen Flachlandes, viele, z. T. sehr deutliche Endmoränen. Aber keiner derselben vermochte Verf. jene grundlegende Bedeutung beizumessen, welche nach den vorliegenden Schilderungen der hinterpommerschen Endmoräne vermöge ihres langen, fast ununterbrochenen Verlaufes und vermöge der Ausdehnung der angrenzenden Sandr zukommt. Meine nach dieser Richtung durch viele Jahre geübte Kritik war berechtigt: Jene auffallende Lücke entspricht der Wirklichkeit; in einem großen Teile Westpreußens war die Fortsetzung der hinterpommerschen Haupt-Endmoräne entweder niemals vorhanden oder sie ist durch ein späteres Ereignis zerstört bezw. verhüllt worden. Dieses Ereignis war der jüngere baltische Eisstrom. Wie ich seit mehr als 20 Jahren gezeigt habe, umfassen die Ablagerungen der jüngsten Vereisung (,das Jungglacial") in Westpreußen mehrere Geschiebemergelbänke, welche durch geschichtete Sande und Tonmergel vielorts getrennt sind, stellenweise aber sich zu einer einzigen Bank zusammenschließen.