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Zur Frage der Eigenwärme bituminöser Gesteine.

Stremme, Hermann

Kurzfassung

Im Jahre 1901 veröffentlichte Höfer eine Arbeit, betitelt ,Die Wärmeverhältnisse im Kohle führenden Gebirge". Höfer führt darin, gestützt auf sehr interessante kalorimetrische Berechnungen von Toldt und v. Jüptner, in die Lehre von der Entstehung der Steinkohle ein neues Moment ein durch den Nachweis, daß der Verkohlungsprozeß (ohne Zutritt, von Luft) unter Wärmeabgabe vor sich gehen muß. Die im Prinzip sicher richtigen Berechnungen laufen darauf hinaus, daß in der Reihe: Holz, Torf, Braunkohle, Steinkohle, Anthracit, die als Differenz von theoretischer und empirischer Verbrennungswärme berechnete Bildungswärme mit steigendem Kohlenstoffgehalt abnimmt. Demnach muß bei dem Übergang von der einen Substanz in die andere Wärme frei werden, und zwar soviel, als die Bildungswärme der vorhergehenden größer ist als die der folgenden. Diese freiwerdende Wärmemenge erteilt dem Kohlenflöz eine gewisse Eigenwärme, die, höher als die Wärme der umgebenden Schichten, also die Erdwärme des betreffenden Punktes, durchaus geeignet ist, die geothemische Tiefenstufe zu erniedrigen, wie dies tatsächlich bei vielen, wenn auch keineswegs allen Kohlenlagern beobachtet ist. Höfer geht nun noch einen Schritt weiter, indem er für bituminösen Schiefer ohne weitere Berechnung ebenfalls eine bestimmte Eigenwärme annimmt, die wohl durch ,Verkohlung" des Bitumengehaltes hervorgerufen gedacht ist. Es geschieht dies bei der von Mandelsloh im Bohrloche zu Neuffen aufgefundenen, ungewöhnlich niedrigen Tiefenstufe, die von Branco in ,Schwabens 125 Vulkanembryonen und deren tufferfüllte Ausbruchsröhren; das größte Maargebiet der Erde" in Verbindung gebracht wurde mit diesen vulkanischen Erscheinungen. Die von Höfer nicht versuchte Berechnung über etwaige Eigenwärme des bituminösen Schiefers anzustellen, hat mich Herr Geheimrat Professor Dr. Branco gebeten.