Original paper

Über die Altersbeziehungen zwischen Gabbro und Granit im Brockenmassiv.

Erdmannsdörffer, O. H.

Kurzfassung

Während Lossen seine Ansichten über die gegenseitigen Altersverhältnisse von Gabbro und Granit im Brockengebiet in den Satz zusammenfaßte, ,daß die Eruption der basischeren Eugranite (Diorite, Gabbros etc.) eine vorübergehende Phase während der längere Zeit vor und nach ihrer Aufpressung andauernden Graniteruption war", haben neuere Untersuchungen den Vortragenden zu dem Resultat geführt, daß der Harzburger Gabbro zweifellos älter ist als der Brockengranit. Die von Lossen als Einschlüsse im verwitterten Harzburgit des oberen Radautales aufgefaßten Granitpartien haben sich als Gänge in diesem Gestein herausgestellt, sodaß das jüngere Alter des Granites hier zweifellos ist, ebenso wie ja bekanntlich an allen andern Stellen, wo Gabbro und Granit miteinander in Berührung kommen. Im Granitgebiet selbst sind keine wesentlichen Altersunterschiede wahrzunehmen; der Kerngranit, die ,Gabbro-Granitzone" und der Ilsensteingranit sind durch allmähliche Übergänge miteinander verbunden. Die mikropegmatitischen Granite der ,Gabbro-Granitzone" haben außerdem erheblich größere Ausdehnung, als man bisher angenommen hatte: sie reichen am Ostrande des Brockenmassivs bis in die Gegend südlich von Schierke, im Westen bis zum Sonnenberger Wegehaus bei St. Andreasberg, umgeben also in Gestalt eines nach Süden geöffneten Bogens den Kerngranit. Die dioritischen Gesteine der Hohne, der Hippeln und der Gruhe sind sonach, wie dies Rosenbusch früher einmal ausgesprochen hat, ,eine zur Granitformation des Brockens gehörige Randzone", die durch Differentiation ihren heutigen Habitus erlangt hat.