Obituary

Nachruf: Alfons Stübel

Branco, Wilhelm

Kurzfassung

Im November dieses Jahres 1904 ist Alfons Stübel, 70jährig, aus der Mitte der Vulkanologen geschieden. Anfangs der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war es, da zog Stübel mit Reiss zusammen hinaus in die Welt, Vulkane zu studieren. Einige Monate wollten sie für die Feuerberge in Peru und Columbia verwenden, auf rein geologische Probleme sollte die Untersuchung sich beschränken. Aber wie anders kam das! Zunächst zeigte sich, daß sie, um nutzbringend arbeiten zu können, überhaupt erst eine kartographische Unterlage sich schaffen mußten. So ergab sich von vornherein für beide Reisegenossen die Notwendigkeit einer Trennung. Während Reiss die trigonometrische Vermessung der einzelnen Vulkangebiete unternahm, sorgte Stübel für die bildliche Aufnahme derselben. Doch noch zwei weitere Umstände wirkten außerordentlich erschwerend auf ihre Arbeiten ein. Einmal der Gährungsprozeß, in welchem sich die sozialpolitischen Zustände dieser Republiken befanden. Zweitens und in noch höherem Grade die ungünstigen meteorologischen Verhältnisse. Wochenlang oft mußte ein wolkenbedeckter Berggipfel ins Auge gefaßt werden, bis er sich einmal entschleierte und man eine Zeichnung von ihm entwerfen konnte; Gefahren und Mühseligkeiten harter Art mußten überwunden werden, um in dem zum teil unwirtlichen Klima der Anden die schneebedeckten Gipfel der Vulkanberge besteigen zu können; unablässige Opfer an materiellen Mitteln mußten gebracht werden, um das Ziel zu erreichen. Einige Monate hatten es werden sollen. Als aber Stübel und Reiss den Anden und deren Vulkanen den Rücken kehrten und heimwärts nach Deutschland zogen, da war inzwischen der Zeiger der Weltuhr um volle zehn Jahre weiter vorgerückt.