Original paper

Kantengeschiebe aus dem Warmbrunner Tal.

Vorwerg, O.

Kurzfassung

Die Protokollnotiz auf S. 168 ergänze ich hier durch folgendes. Am 13. April 1897 las ich in der Ziegeleigrube westlich Voigtsdorf, 2 km nördlich Bahnhof Hermsdorf u./K. (Riesengebirge) aus einem Häufchen aus dem Geschiebelehm herausgearbeiteter nordischer und nördlicher Geschiebe ein aus dunkelgelblichgrauem Feuerstein bestehendes Geschiebe auf, das auf den ersten Blick das eine Ende eines quer durchbrochenen Beils oder Hammers zu sein schien, das noch durch Gletschertransport gelitten hatte. Nähere Betrachtung ergab jedoch folgendes: Die Gestalt im ganzen entsprach keiner der mir bis dahin bekannt gewordenen Werkzeugtypen. Die z. T. gradlinig verlaufenden Kanten waren nicht durch Schläge (Schlagmarken) hergestellt, sondern einfach die etwas beriebenen Kanten der Flächen. Die an dem Stück zerstreut vorhandenen Schlagmarken von Millimeter bis 5 cm Größe befanden sich sozusagen an den unrechten Stellen, waren an der eigenartigen Gestalt des Stückes unschuldig und verunstalteten vielmehr diese. Dagegen zeigte das Stück, dessen größte Abmessungen in den drei Dimensionen in cm sind: Länge 9, Breite 6, Dicke 4 - symmetrisch erscheinende Flächenpaare, von denen die schmaleren Seitenflächen ungefähr 6 cm vor der beschädigt erscheinenden Spitze des Stücks in einer Kante sich schneiden würden. Die Flächen sind nicht eben oder stetig, wie geschliffene Flächen, sondern von unregelmäßiger (mehrfacher) Krümmung und noch mit unregelmäßigen Hervorragungen besetzt. Dieses Ganze ist fein poliert, abgesehen von einigen, offenbar späteren Schlagmarken und einem kleinen Patinafleck. Die kürzere der beiden breiten Flächen, Fig. 2, zeigt außerdem ungefähr in der Längsrichtung verlaufende Kritzen, die ungefähr an Gletscherschrammen gemahnen.