Original paper

Myliotoatiden aus dem Mitteleocän der bayerischen Alpen.

Stromer v. Reichenbach, Ernst

Kurzfassung

Zur Bestimmung der Kauplatten von Myliobatiden aus dem Eocän Ägyptens zog ich mit gütiger Erlaubnis von Herrn Prof. Rothpletz die in der hiesigen Sammlung befindlichen Myliobatiden-Reste zum Vergleiche heran und überzeugte mich dabei, daß die Bestimmungen dieser wie der meisten fossilen Reste der Familie einer Nachprüfung durch Vergleich mit rezenten Formen bedürfe. Denn so groß auch die Verdienste von Agassiz für die Systematik fossiler Haie sind, so hat er doch durch allzu geringe Berücksichtigung rezenten Materiales, an dem die Stellung und Zusammengehörigkeit einzelner Zähne, die systematische Verwertbarkeit der verschiedenen Merkmale und isolierter Reste erst festgestellt werden muß, und auch durch Benennung ganz ungenügend erhaltener Fossilien viel Verwirrung angestiftet. Leider hat er in diesen Fehlern mehr Nachfolger als in seinen Vorzügen gehabt, denn immer wieder wurden und werden noch isolierte Teile oder Bruchstücke von Hartgebilden der Fische mit Artnamen belegt, ohne den Versuch einer Prüfung, ob sie überhaupt bestimmbar seien. Im vorliegenden Spezialgebiete macht außer Issel nur A. Smith Woodward eine Ausnahme, indem er auf Grund großen und schönen Materials aus dem englischen Eocän die Merkmale der Myliobatis-Gebisse auf ihren systematischen Wert prüfte. In der Überzeugung nun, daß auch das beste und reichste fossile Material genügende Sicherheit nicht bieten könne, wollte ich rezentes heranziehen, konnte aber die gemeinste Art, M. aquila, ans dem hiesigen, Stuttgarter, Frankfurter und Breslauer Museum überhaupt nicht und aus dem Berliner durch die Güte Herrn Geheimrats Möbius und der Herren Professoren Hilgendorp und Jäkel nur in einigen Exemplaren erhalten.