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Das oberschlesische Steinkohlengebirge.

Geisenheimer, P.

Kurzfassung

Am Abend des zweiten Tages betritt die Exkursion das oberschlesische Steinkohlenrevier, dessen wichtigsten Teil z. Z. der Bezirk von Gleiwitz, Zabrze und Myslowitz bildet. Im Jahre 1742 kam Schlesien unter die preußische Herrschaft. Die neue tatkräftige Verwaltuug suchte die Schaden des Krieges dadurch zu heilen, daß sie überall die natürlichen Produktionsquellen des Landes förderte. Zwar wurde schon damals in der Gegend von Ruda Bergbau auf Steinkohlen getrieben, doch aus den Berichten jener Zeit wissen wir, daß dies fast nur Tagebau war. Erst unter Friedrich dem Großen wurden Bergwerke nach heutigen Begriffen angelegt. Das Hauptverdienst um die Entwicklung des jungen Steinkohlenbergbaues gebührt dem im Jahre 1778 nach Schlesien berufenen Berghauptmann Freiherrn von Reden, der zuerst die hohe Bedeutung der oberschlesischen Steinkohle für die anderen Industriezweige erkannte. Eines der wichtigsten Kohlenflöze trägt noch heut den Namen jenes verdienstvollen Berghauptmanns. Bereits im Jahre 1791 konnte er von 17 Steinkohleugruben berichten. Durch ihn entstanden die Bergwerke ,König" und ,Königin Luise", deren Namen an Friedrich Wilhelm III. und seine unvergeßliche Gemahlin erinnern. Ihm verdanken wir die großartige Entwicklung des oberschlesischen Steinkohlenbergbaues, der heute unmittelbar auf Westfalen folgt und an Bedeutung alle anderen Montanbezirke des Kontinents übertrifft. Der oberschlesische Industriebezirk fördert z. Z. jährlich etwa 25 Millionen Tonnen Kohle. Obwohl die jährliche Förderleistung nur ein halb so groß ist wie diejenige des Ruhrkohlenreviers, so übertrifft es dieses hinsichtlich seiner Kohlenvorräte.