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Neueren Anschauungen über das Karstphänomen.

Berg Georg

Kurzfassung

Nachdem er die wichtigsten Erscheinungen verkarsteter Erdgebiete kurz besprochen und durch Beispiele erläutert hatte, schildert er die Ansichten früherer Forscher über die Entstehung des Karstphänomens. Es wird gezeigt, wie die Einsturztheorie für die meisten Fälle der Erosionstheorie weichen mußte, und wie Mojsisovic zuerst für die Entstehung der Poljen die Wirkung gebirgsbildender Kräfte (Sattelbildungen und Verwerfungen) in Anspruch nahm. Eingehend werden darauf die Fortschritte gewürdigt, die unser Verständnis der Karstentstehung den Forschungen J. Cvijic' verdankt. Seine Untersuchungen über die Dolinen haben gezeigt, daß solche Gebilde auch ohne vorhergehende Höhlenbildung als einfache Folge des Versickerns atmosphärischer Niederschläge in durchlässigen und löslichen Gesteinen entstehen, und daß die Bildung der Karstwannen, das sind Einsenkungen weiter Gebiete durch verstärkte Dolinenbildung, den Anstoß zur Entstehung von Poljen geben kann. Die Arbeiten von Alfred Grund brachten uns rationellere Anschauungen über die Verteilung der unterirdischen Wässer im Karstgebiet und über die Ursache der periodischen Überschwemmungen in den Poljen. Redner schildert zuletzt im Zusammenhang die Entstehung eines Karstgebietes, wie wir sie uns nach dem jetzigen Stand unserer Kenntnisse vorzustellen haben, und kommt dabei in der Hauptsache zu denselben Resultaten, die neuerdings von A. Penk dargelegt wurden. Es wird indessen angenommen, daß die Mehrzahl der Poljen durch Einsenkung von Karstwannen bis auf den Grundwasserspiegel entstanden sei. Die Vertiefung solcher Wannen muß so lange gleichmäßig fortschreiten, bis sie den obersten Hochwasserhorizont erreicht. Von da an wird sie sich verlangsamen durch den Wegfall der chemischen Erosion in einem Teil des Jahres;