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Einige neue Aufschlüsse im Flötzgebirge Vorpommerns und allgemeine Charakterisierung der pommerschen Kreideformation.

Deecke, Wilhelm

Kurzfassung

Seit ich im Jahre 1902 in einem Aufsatz ,Neue Materialien zur Geologie von Pommern" 1. T. die vorquartären Schichten behandelte, soweit sie von 1894 bis 1902 neue Beobachtungen gestatteten, sind abermals eine Reihe von neuen Aufschlüssen gefunden oder wiedergefunden. Ich möchte dieselben deswegen kurz beschreiben, weil abermalige Veränderungen in den Wirtschafts- und Besitzverhältnissen sie wieder verschwinden lassen können. Mehrfach in der Literatur erwähnt, aber niemals beschrieben ist das Vorkommen von Septarienton bei Liepgarten unweit Ückermünde. V. D. Borne nanute Liepgarten und die Karlsfelder Ziegelei bei Torgelow als Tertiärpunkte; Berendt hatte diese Notiz übernommen, Scholz berücksichtigte bei Beschreibung der Bahnlinie Jatznick-Ückermünde nur das Quartär, und so blieb 1902 dies Vorkommen noch völlig zweifelhaft. Erst Herr Lehrer K. Michaelis in Liepgarten machte mich aufmerksam, indem er mir dunklen typischen Ton mit großen Gipskristallen übersandte. Bei einem Besuche der Gegend, den ich sofort ausführte, ließ sich folgendes ermitteln: Nördlich von Liepgarten und 3-4 km nordwestlich von Ückermünde erhebt sich eine flache Hügelgruppe, die langsam gegen Norden und etwas steiler gegen Süden zur Ucker abfällt. An diesem Gehänge liegen in der ganzen Länge des Dorfes Tongruben, die zur Herstellung von Ziegeln ausgebeutet werden. Der Ton ist fett, dunkel, stellenweise reich an Gipszwillingen oder Gipsdrusen, enthält die bekannten zerklüfteten Septarien, in denen die Säulen mit weißem oder gelbem Kalkspat überzogen sind und bisweilen zahlreiche treppenförmig gewachsene Eisenkiesoktaeder tragen. Foraminiferen haben die abgeschlämmten Proben nicht geliefert, an sonstigen Versteinerungen sind die Lager ebenfalls arm, aber in der Blum'schen Ziegelei kamen 2 Exemplare von Leda Deshayesiana Duch., eines von Nucula Chastelii Nyst., einige Lamna-Zähne und eine Pleurotoma scabra Phil. vor. Damit ist das Alter der Schichten als Mitteloligocän bestimmt.