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Beiträge zur Beurteilung vulkanischer Erscheinungen.

Fleischer, Alexander

Kurzfassung

Der Umstand, daß in der Gegenwart tätige Vulkane fast sämtlich in der Nähe von Meeren vorkommen, hat früher Veranlassung gegeben, den Zutritt von Meerwasser zum Magma als Ursache vulkanischer Erscheinungen anzusehen. Waltershausen hat den großen Kochsalzgehalt der dem Ätna bei Eruptionen entströmenden Dämpfe sowie die sich bildenden weißen, schneeartigen Überzüge auf Lava - die größtenteils aus Kochsalz bestehen - auf eine Einwirkung des Meerwassers zurückführen wollen, hält es aber auch für möglich, daß eine Auslaugung tieferer Salzlager die Ursache sei. Derselbe Forscher glaubte ferner, daß der hohe Gehalt der dem Ätna bei Eruptionen entströmenden Dämpfe an Salmiak von im Meerwasser vorhandenen Tieren herrühren könne, und hat deshalb diese Dämpfe auf einen Gehalt an Jod und Brom untersucht, aber keine Spur hiervon entdecken können. Es sei hierbei die Bemerkung gestattet, daß dieses Auftreten von Ammoniaksalzen sich wohl sehr einfach durch die bekannte Tatsache erklärt, daß Si, Ca, Mg, FeCl bei Rotglut chemische Verbindungen mit Stickstoff eingehen, die durch Wasserdämpfe unter Bildung von Ammoniak sich zersetzen. Es hat auch tatsächlich Waltershausen bei der Eruption des Ätna von 1869 auf der Lava das Vorhandensein von Stickstoffeisen (Fe2 N) konstatiert, und es ist bekannt, daß Porphyr bei der Verwitterung große Mengen von Ammoniak entwickelt. Hörnes hat in seinem Buche über Vulkane und Erdbeben aus dem Vorhandensein tätiger Vulkane im Innern von Mexiko und Südamerika gefolgert, daß die Nähe des Ozeans keine unbedingte Notwendigkeit für das Auftreten von Vulkanen ist, wenigstens dahin, daß der direkte Zutritt des Meerwassers zu unterirdischen Magmaheerden als Ursache der Eruption vorausgesetzt werden müßte.