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Über die Ursache der Eiszeiten.

Jaekel, Otto

Kurzfassung

Die oft mit neuen Gesichtspunkten wiederholten Versuche, als Ursache der Eiszeiten tellurische Vorgänge zu ermitteln, sind bisher immer noch auf unüberwindliche Bedenken gestoßen. Geht man auf Faktoren, wie vulkanische Tätigkeit. Verschiebungen von Kontinentalgrenzen oder Meeresströmungen zurück, so widerspricht solchen lokalen Ursachen die außerordentlich große Verbreitung der glacialen Phänomene, und nimmt man beispielsweise Änderungen in der Axenstellnng der Erde als Ursachen an, so zeigt sich, daß die Verbreitung der Glacialgebiete die angenommene Verschiebung des Nordpols nicht bestätigt. So ist man in neuerer Zeit mehr und mehr bemüht, die Ursachen der irdischen Eiszeiten in kosmischen Vorgängen zu suchen. Hierbei kommen einerseits Unregelmäßigkeiten in der planetaren Bewegung der Erde in Betracht, wie namentlich die periodischen Dehnungen der Erdbahn von einem Kreise zu einer Ellipse und die dabei verursachten stärkeren Entfernungen der Erde von der Sonne. Aber die hierbei gewonnenen Werte sind sehr gering, und über ihre Folgen für die Temperatur der Erde gehen die Ansichten diametral auseinander. Ein kürzlich unternommener Versuch von Max Hildebrandt, alle diese Faktoren mit Änderungen der Ekliptikschiefe und lokalen Faktoren auf der Erde zu kombinieren, befriedigt deshalb wenig, weil die Annahme einer Kombination vieler Möglichkeiten deren Wahrscheinlichkeit nicht hebt und uns die zwei großen Glacialperioden der Erde im Perm und im Diluvium so klar als isolierte Tatsachen und nicht als Superlative häufig wiederkehrender Vorgange erscheinen. Nun hat Eugen Dubois daraus eine erhebliche Abnahmeder Wärmezufuhr auf der Erde hergeleitet, daß er annahm, daß die Erde zur Zeit der diluvialen Eiszeit aus der Phase der Weißgluthitze in die der Gelbgluthitze übergetreten sei.