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Die Petrographie der Portlandzementklinkern.

Hermann, Paul

Kurzfassung

Gestatten Sie mir, daß ich Sie heute in ein Gebiet führe, das ich kurz die augewandte Mineralogie, beziehentlich Petrographie, oder die Petrographie der Technik benennen will. Wohl jeder von Ihnen kennt den Portlandzement, wie er in der Bautechnik verwandt wird, dieses graue Pulver, welches, mit Wasser angerührt, bald mehr oder weniger schnell erstarrt und schließlich erhärtet. Seit jenen Jahren nun, seit wir von einer Portlandzementindustrie sprechen dürfen, stellte sich immer die Eigentümlichkeit ein, daß der zu verschiedenen Zeiten von derselben Fabrik hergestellte Zement verschieden brauchbar war. Diese Verschiedenheit beruht auf der verschiedenen Behandlungsweise des Rohmaterials. Das Rohmaterial (Kalksteine und Tone) wird nämlich gemahlen, zu Kugeln oder Ziegeln geformt, je nach dem Ofensystem, sodann gebrannt und zwar bei Temperaturen, die zwischen 1300 bis 1500 ° C. liegen sollen. Bei diesen Temperaturen beginnt das Material zu sintern und wird nunmehr Klinker genannt. Dieses wird nach dem Erkalten abermals gemahlen, in geeigneten Lagerräumen, Silos, ausgebreitet und eine Zeit lang liegen gelassen. Dieses Endprodukt ist der Handelszement. Es war nun eigentümlich, daß bei gleicher chemischer Zusammensetzung dennoch eine Verschiedenheit des Zementes auftrat, ja daß die Klinkern bereits verschiedene Eigenschaften zeigten. Man unterscheidet bei den Klinkern Schwach-, Normal- und Überbrandklinker, je nach der Brenntemperatur. Schwachbrände zeigen die Eigentümlichkeit, daß sie beim Abkühlen zerfallen, man nennt diesen Vorgang das Zerrieseln. Zeitweilig glaubte man, diese Erscheinung würde durch die Aufnahme der Luftfeuchtigkeit hervorgerufen; chemische Untersuchungen ergaben aber keinerlei Veränderungen in der Zusammensetzung.