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Zur Morphologie norddeutscher Binnendünen.

Lehmann, F. W. Paul

Kurzfassung

In No. 4 der Monatsberichte äußert Herr Friedrich Solger über Entstehung interessanter binnenländischer Dünenformen Absichten, die von den meinigen in vielen Punkten abweichen. Er sieht in den nach Westen offenen Bogendünen eine Umformung alter Barchane oder Sicheldünen, die in einer Epoche vorherrschender Ostwinde entstanden wären. Die Bogendünen sind weder umgewandelte Barchane, wie sie uns aus Wüstengebieten bekannt sind und wie sie en miniature Baschin am kahlen Strande von Fanö in ihren interessanten Wandlungen gut beobachtet und beschrieben hat, noch entstanden sie in einer jetzt abgeschlossenen postglacialen Epoche vorherrschender Ostwinde, sondern sie sind Anhäufungen, welche die Westwinde auf einem spärlich mit Sandgräsern und Gestrüpp bedeckten Gebiet im Osten von Deflationsflächen oder ,Windblößen", wie sie im Volksmunde heißen, aufgehäuft haben. Sie entstehen im kleinen noch heute auf dürren Sandfeldern mit spärlicher Saat und in der Umrahmung kahler Sandflecke in ödem Heideland. Der Wechsel feuchter und trockner Epochen, der ungleiche Stand des Grundwassers, auch die gelegentliche Folge von Bränden und Herdenbetrieb bedingen das Erlöschen und Wiedererwachen der modellierenden Tätigkeit des Windes und erzeugen Schwärme von Bogendünen, wie sie Solger auf Seito 182 abgebildet hat. Sie erreichen meistens nur die Höhe von einigen Metern. In Gebieten großer Windblößen kommt es freilich auch zur Bildung gewaltiger Sandwellen bis zu 50 m Mächtigkeit. Der große Eulenberg zwischen Driesen und Birnbaum erreicht 94 m Höhe auf 44 m hohem Sockel. Die Längsachse einer solchen Sandwelle streicht quer zum vorherrschenden Winde, sie kann aber Bogenform und Hufeisenform annehmen, wenn die Flügel in bewachsenem Gelände nachschleppen oder zum Stillstand kommen.