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Bellerophonkalk neue Fauna.

Schellwien, Ernst; Kossmat, F

Kurzfassung

Die bisher im Bellerophonkalk beobachteten Fossilien boten bekanntlich keine ausreichenden Anhaltspunkte für den Vergleich mit andern Vorkommen, die man als gleichaltrig mit dem Bellerophonkalk anzusehen geneigt ist. Die nunmehr aufgedeckte Fauna besteht dagegen nach den vorläufigen Feststellungen fast durchweg aus Formen, die schon aus dem indischen Produktus-Kalke bekannt geworden sind und damit die Übereinstimmung beider Faunen außer Zweifel setzen. Die erste Andeutung, daß im alpinen Bellerophonkalk noch andre Fossilien enthalten wären, als die zur Altersbestimmung wenig geeigneten, zum Teil sehr eigenartigen Formen, die von Stache und Diener beschrieben worden sind, brachte ein vereinzelter Fund, den F. Kossmat im Jahre 1901 bei seinen Aufnahmen in Krain machte. Im Gebiete westlich der Laibacher Ebene beobachtete er zwischen den Grödner Sandsteinen und den Werfner Schiefern einen auf lange Strecken hin verfolgbaren Komplex von dunkeln Kalken und Dolomiten, welche in ihrer Ausbildung vollkommen den Südtiroler Bellerophonkalken entsprechen. Während die Dolomite fossilleer sind, wurden in den Kalken an zahlreichen Punkten Anwitterungen von Diploporen und typische Bellerophonten-Durchschnitte nachgewiesen, welche die Gleichstellung mit den Südtiroler Bellerophonkalken rechtfertigen. Außerdem fanden sich in diesen Schichten aber zwei Exemplaren eines großen Productus, welchen E. Schellwien beim Geologen-Kongreß in Wien zu sehen Gelegenheit hatte und als eine charakteristische Form des indischen Produktus-Kalkes erkannte. Da hiernach weitere Nachforschungen geboten erschienen, wurde im Sommer 1905 durch F. Kossmat und E. Schellwien eine gemeinsame Begehung der wichtigsten Fundorte von Bellerophonkalk innerhalb des von F. Kossmat aufgeaufgenommenen, aber noch nicht veröffentlichten Blattes Bischoflack ausgeführt.