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Hochgeehrte Gäste, werte Mitglieder der Deutschen geologischen Gesellschaft!

Wahnschaffe, Felix

Kurzfassung

Während der Tagung des deutschen Kolonial-Kongresses in Berlin kam den vielen anwesenden Freunden und Schülern Ferdinands von Richthofen plötzlich und unerwartet die erschütternde Kunde, daß dieser große Gelehrte am 6. Oktober abends ans dem Leben geschieden sei. Erst vor wenigen Wochen war er, anscheinend neu gestärkt für die Winterarbeit, aus den Alpen heimgekehrt, wo er zuletzt an der Jahresversammlung der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft in Luzern teilgenommen hatte, voll regen Interesses an den neuen Ergebnissen der tektonischen Untersuchungen Albert Heims und seiner Schüler im Gebiete der St. Gallener und Glarner Alpen. All' die Gelehrten, die dort mit ihm in nähere Berührung gekommen waren, hatten sich über die geistige Frische und wohltuende Heiterkeit dieses seltenen Mannes gefreut. Niemand konnte ahnen, daß ihm der Todesengel sobald nahen, daß dieser Stern der Wissenschaft sobald erlöschen würde. Tief betrübt haben wir ihn am 10. Oktober zu seiner letzten Ruhestätte auf dem Alten Matthäikirchhofe geleitet, und die Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, deren Vorsitzender er gewesen ist, hat zu seinem ehrenden Andenken am vergangenen Sonntage eine Gedächtnisfeier veranstaltet, bei der in erster Linie seine hervorragenden Verdienste um die Geographie, um die Gesellschaft für Erdkunde und als Universitätslehrer, sowie seine vortrefflichen menschlichen Eigenschaften gebührend hervorgehoben worden sind. Mir dagegen liegt heute die ehrenvolle Pflicht ob, die Verdienste Ferdinands von Richthofen um die Geologie überhaupt und insbesondere um unsere Deutsche geologische Gesellschaft zu würdigen. Ferdinand Freiherr von Richthofen wurde am 5. Mai 1833 in Carlsruhe in Oberschlesien geboren.