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Umgestaltende Vorgänge in Binnenseen.

Jentzsch, Alfred

Kurzfassung

Aus den Seenstudien, welche der Vortragende im Auftrage der Geologischen Landesanstalt in verschiedenen Provinzen, Preußens verfolgte, hatte derselbe bereits in der Allgemeinen Versammlung der deutschen geologischen Gesellschaft zu Cassel (1902 S. 147) einige vorläufige Mitteilungen, gegeben. Er wies damals auf die weite Verbreitung von Strömungen in Binnenseen hin, welche durch Vorschieben von Sand an den Ufern die Bildung von Haken (Kliffhaken usw.) veranlassen und zeitweise zu einem Kreislaufe des Oberflächenwassers führen. Die inzwischen fortgesetzten Beobachtungen haben diesen Satz bestätigt und eigenartige Abweichungen zwischen den Küstenveränderungen der Binnenseen und der Meere ergeben. Diese Abweichungen, sind nicht nur durch den Mangel der Gezeiten und des Salzgehaltes, sondern ganz besonders durch die Größenverhältnisse bedingt. Wie jeder Organismus nur mäßigen Schwankungen seiner Größe unterliegen kann, wenn anders nicht die Wirkungsart und damit die Gestalt oder Struktur seiner einzelnen Organe sich ändern müßte, so ist es auch in der sog. unorganischen Welt, in den Einheiten wesentlich gleichartiger geologischer Tätigkeit! Denn die zur geologischen Gestaltung zusammenwirkenden Kräfte, Massen und Widerstände wirken nach sehr verschiedenen Potenzen der Dimensionen. Deshalb müssen in ähnlich gestalteten, aber verschieden großen geodynamischen Einheiten die an sich ähnlichen geologischen Kräfte zu verschiedener Gestaltung führen. In bezug auf Kraftwirkung gibt es, streng genommen, keine vollkommenen geologischen Modelle, sondern ursprünglich gleiche Gestalten verändern sich geologisch in verschiedener Weise, sobald ihre Maße abweichen. Die geologischen Vorgänge sind Funktionen der Maße, wie sie Funktionen zahlreicher anderer, in jedem Einzelfalle gegebenen Variablen sind.