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Südliche und westliche Verbreitung der oberen Grundmoräne in Lauenburg.

Gagel, Kurt

Kurzfassung

Von den beiden zur Zeit brennendsten Fragen der Diluvialgeologie - der der Interglacials und der nach der Ausbreitung des oberen Diluviums - ist die erstere nach den in den letzten Jahren erschienenen Arbeiten von Weber, Friedrich, Schröder und Stoller, Schmierer und Sönderop sowie des Verfassers wohl keine Frage mehr. Mit Ausnahme ganz vereinzelter, prinzipiell negierender Kritiker dürfte wohl für jeden, der sich mit der Frage eingehend beschäftigt hat, jetzt feststehen, daß wir sicher mindestens eine, höchstwahrscheinlich aber sogar zwei sehr lang andauernde Perioden wärmeren Klimas während des Diluviums gehabt haben, während welcher genügend Zeit zur Ausbildung sehr mächtiger Verwitterungszonen in den älteren diluvialen Ablagerungen und zum Absatz erheblicher, organogener Neubildungen, die ein nicht arktisches Klima voraussetzen, vorhanden gewesen ist. In Betreff der zweiten Frage - der der äußersten Verbreitung des oberen Diluviums bez. des Oberen Geschiebemergels - war es schon seit längerer Zeit klar, daß die ältere Anschauung, nach welcher die letzte Vereisung nicht sehr weit über die großen Endmoränen des baltischen Höhenrückens hinausgereicht, speziell aber nicht die Elbe überschritten haben sollte, sicher unhaltbar ist, und es waren bereits eine ganze Menge Beobachtungen auch jenseits der Elbe bekannt geworden, namentlich von seiten meiner kartierenden Kollegen, die mit größerer oder geringerer Wahrscheinlickeit darauf hinwiesen, daß der Obere Geschiebemergel auch jenseits der Elbe vorhanden sei. Zwingende und zweifellose Beweise dafür lagen aber bisher noch nicht vor, ja es schienen sehr wichtige Gründe dafür zu sprechen, daß an gewissen Stellen, z. B. in Lauenburg, der Obere Geschiebemergel in der Nähe der Elbe schon fehlte oder wenigstens nur in sehr kleinen und kümmerlichen Resten vorhanden wäre, und bei Lüneburg speziell sollte gewiß kein oberes Diluvium mehr nachweisbar sein. Diese auch auf den preußischen Spezialaufnahmen der Gegend von Lüneburg-Lauenburg zur Darstellung gelangte Auffassung ergab aber beim Fortschreiten der Aufnahmen von Lauenburg nach N und NO Anlaß zu so unwahrscheinlichen Folgerungen, daß sich die Notwendigkeit herausstellte, die Kartierung des Oberen Geschiebemergels in diesem Gebiet an einem ganz zweifellosen Punkt, nämlich zwischen der sogenannten großen baltischen Endmoräne nördlich von Lübeck und der südlichen baltischen Endmoräne, die zwischen Zarrentin, Gudow, Lehmrade, Mölln verlaufen mußte, zu beginnen und durch ganz detaillierte Aufnahme und Verfolgung dieser Oberen Grundmoräne von dieser Stelle, die der Stelle der Definition für den Begriff ,Obere Grundmoräne" zweifellos entspricht, nach Süden und Westen den Nachweis für die Verbreitung bez. das Aufhören des Oberen Geschiebemergels ganz zweifellos zu führen. Durch die Aufnahmen der Jahre 1901-1904 war festgestellt worden, daß eine ununterbrochene, mächtige Obere Grundmoräne von der Lübischen Ebene über zwei kleinere Endmoränestaffeln in der Gegend von Ratzeburg-Mölln bis zu der südlichen Hauptendmoräne in der Gegend von Zarrentin, Gudow, Mölln, Breitenfelde, Niendorf, Talkau, Gr. Schretstaken, Forst Hahnheide sich erstreckt, daß diese einheitliche Grundmoräne in diesem Gebiet auf den Höhen eine Mächtigkeit von 12-29 m, in den Senken eine solche von 19-35 m erreicht und daß diese obere Grundmoräne an zahlreichen Stellen von mächtigen Verwitterungs- und Entkalkungszonen bez. sogar von organogenen Bildungen, Maschelablagerungen und Torflagern, also von Interglazialschichten unterteuft wird.