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Beiträge zur Geologie und Palaeontologie von Ostasien unter besonderer Berücksichtigung der Provinz Schantung in China.

Lorenz, Th.

Kurzfassung

I. Teil. Einleitung. Im Frühjahr 1902 hielt ich mich unschlüssig über das Ziel meiner Reise in Shanghai auf, als mir v. Richthofens Buch: ,Schantung und seine Eingangspforte Kiautschou" in die Hände fiel. Die Darstellung des geologischen Teiles dieser Arbeit fesselte mich so ungemein, daß ich das Verlangen empfand, die Geologie Schantungs durch eigene Anschauung kennen zu lernen. Die einstimmig anerkannte wissenschaftliche Bedeutung des Autors war mir eine sichere Gewähr für eine schnelle geologische Orientierung. Durch meine Studien in den Alpen war mir der große Forscher kein Unbekannter mehr. Schon vor einem halben Jahrhundert hatte v. Richthofen die Grundzüge des Gebirgsbaues in Vorarlberg und im Rhaetikon mit genialem Blick richtig erkannt und dadurch eine Grundlage geschaffen, auf der wir jetzt weiter bauen. Eingedenk des Genusses, den mir das Studium seiner Forschungen auf heimatlichem Boden bereitet hatte, ward in mir der Gedanke wach, auch im fernen Osten seinen geistigen Spuren zu folgen. Leider mußte ich wissenschaftlich unvorbereitet die Reise antreten. Die schwebenden Probleme und offenen Fragen in der Geologie Chinas waren mir zu jener Zeit völlig unbekannt. Umso dankbarer benutzte ich die Grundlage, die v. Richthofen in seiner Geologie von Schantung gegeben bat. Es war am 13. Mai 1902, als ich in Tsingtau, dem Hafenplatz unserer Kolonie Kiautschou, eintraf. Das Gouvernement verschaffte mir in dankenswerter Weise ein Empfehlungsschreiben vom Vizekönig von Schantung, sodaß ich ohne Beanstandung im Lande umherstreifen konnte. Ich reiste zu Pferde, was mir eine große Ungebundenheit und Schnelligkeit der Bewegung ermöglichte. Der Mangel an jeglichen Karten reife in mir den Entschluß, eine Routenaufname im Maßstabe1 : 250 000 vorzunehmen.