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Über die Geologie des Weissensteintunnels im schweizerischen Jura.

Schmidt, [Karl]

Kurzfassung

Im zweiten Heft der Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Solothurn (1902-1904) habe ich Ende 1904 ein geologisches Profil durch den Weißenstein in der Richtung der Axe des 3670 m langen Tunnels Oberdorf-Gänsbrunnen i. M. 1 : 10000 veröffentlicht. Die Untersuchungen hatte ich mit Herrn Dr. K. Strübin im Herbst 1901 und im Sommer 1904 ausgeführt und in meiner Veröffentlichung betonte ich besonders, daß dieselben noch nicht diejenige Ausführlichkeit und Präzision erreicht hätten, die für die Prognose des Tunnels wünschenswert und möglich wären. Seit alter Zeit ist die Weißensteinkette zwischen Grünsberg-Oberdorf-Lommniswil im Süden und dem Tal von Welschenrohr-Gänsbrunnen im Norden als ein einfaches Gewölbe dargestellt worden. F. Lang (gest. 21. Jan. 1899) hat für die jetzige Tunnel-Strecke (Projekt Gerlich) noch ein geologisches Profil entworfen, nach welchem ebenfalls ein einfaches, wenig nach Norden übergelegtes Gewölbe zu erwarten wäre, in dessen Kern der Muschelkalk auf 150 m Länge auftreten würde. In unserer, ebenfalls nicht veröffentlichten und durchaus praeliminaren Darstellung vom Oktober 1901 kamen wir zu einem ähnlichen Schlüsse. In dem Gewölbekern sollte ebenfalls der obere Muschelkalk auftreten aber nur auf 75 m Länge, und das einfache Gewölbe würde im Kern nicht nordwärts, sondern südwärts überstürzt erscheinen. Im Frühjahr 1904 wurde der Bau des Tunnels Oberdorf-Gänsbrunnen mit geringer Modifikation des ursprünglichen Projektes begonnen, ohne daß eine definitive geologische Vor- untersuchung angeordnet worden wäre. Mein vorläufiges Gutachten vom Oktober 1901, das nachträglich in den Besitz der Solothurn-Münster-Bahn übergegangen war, wäre somit diejenige Darstellung gewesen, welche der herben Kritik während und nach dem Bau des Tunnels unterworfen worden wäre.