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Briefliche Mitteilungen. Zur Kritik westpreussischer Interglacialvorkommen.

Jentzsch, Alfred

Kurzfassung

In No. 8 dieser ,Monatsberichte der Deutsch, geol. Ges. 1905 S. 275" beschreibt Herr W. Wolff als neu ein diluviales Kalkvorkommen aus der Gnewauer Forst im Kreise Neustadt an einem von Pelzau südwärts führenden Wege mit dem Hinzufügen: ,Es besteht danach eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß es sich um eine interglaciale Ablagerung handelt, wie solche bislang aus diesem Landstriche nicht bekannt geworden." Angesichts der verneinenden Kritik, welcher Herr Wolff meine seit 25 Jahren über das Interglacial West und Ostpreußens mühsam angesammelten Beobachtungen wiederholt, auch in dieser Zeitschrift unterzogen hatte, wirkt diese plötzliche Anerkennung des Interglacials überraschend. Doch sei hierzu folgendes bemerkt. 1) Genannter ,Landstrich" gehört zur preußischen Provinz Westpreußen; der Fundpunkt liegt nur 20 km NW von Adlershorst, wo ein seit Jahren von mir als älteres Interglacial angesprochenes Vorkommen von Yoldiaton mit Valvata und Dreissensia führenden Süßwasserschichten zusammenliegt und nur 35 km NW von Danzig, bis wohin ich vor noch längerer Zeit bereits die interglaciale Meeresfauna der Weichselgegend nordwärts verfolgt habe, deren interglaciales Alter Herr Wolff bisher bestritten hatte. 2) Der Fundpunkt liegt nur etwa 20 km südlich (S zu SSW) von Cettnau im Putziger Kreise, wo Zeise einen unmittelbar am Wege zwischen Chlapau und Cettnau, anstehenden unterdiluvialen Süßwasserdiatomeen-Tonmergel erwähnt, der in einer Mächtigkeit bis 2,0 m aufgeschlossen, von 1,5 m mächtigem Geschiebelehm überlagert wird. Der angeblich neue Fundpunkt liegt mithin mitten zwischen längst bekannten Aufschlüssen diluvialer Süßwasserschichten.