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Die natürliche Entstehung der Eolithe im norddeutschen Diluvium;

Wiegers, Fritz

Kurzfassung

Im vergangenen Sommer (1905) erschienen zwei Publikationen von Marc. Boule und H. Obermaier, in denen die Verfasser versuchen, ihrer Auffassung von der natürlichen Entstehung von Eolithen ähnlichen Formen durch die Schilderung eines Beispiels aus der Kreidemühle von Mantes festeren Rückhalt zu geben. Diese Schriften, die ein berechtigtes Aufsehen erregt haben, sind von einem großen Teil der Prähistoriker, speziell den Eolithenfreunden, als z. T. tendenziös, z. T. mangelhaft in der Beweisführung ziemlich einmütig zurückgewiesen worden. Auch Herr Dr. Hans Hahne schloß sich dieser Meinung in seinem Referate an, das er in der Dezembersitzung der Deutschen geologischen Gesellschaft über die Boule-Obermaier schen Arbeiten erstattete. Er stützte seinen Vortrag hauptsächlich auf die Feuersteine aus den Kreidemühlen von Rügen und wies zwischen diesen und den wirklichen Eolithen viel treffliche Unterschiede nach, da für ihn die Artefaktnatur der Eolithe außer allem Zweifel steht. Nachdem Herr Hahne seinen Standpunkt zu den Manter Pseudo-Eolithen dargelegt, wandte er sich an die anwesenden Geologen mit der Aufforderung zu tatkräftiger Mitarbeit an der Lösung der Eolithenfrage, da den Geologen durch ihren Beruf die beste Gelegenheit zur Förderung dieses Grenzgebietes zwischen Geologie und Archäologie gegeben sei. Da nun in Deutschland, im Gegensatz zu anderen Ländern (Frankreich, Belgien, England) bisher die Eolithenfrage fast ausschließlich von Prähistorikern behandelt worden, so ist mir Hahnes Aufforderung ein willkommener Anlaß, den jetzigen Stand der deutschen Eolithenwissenschaft einer kritischen Betrachtung: zu unterziehen, insbesondere in Hinsicht auf die in Frage kommenden geologischen Verhältnisse. Es soll ferner gezeigt werden, wie weit die Urgeschichte ohne Geologie gekommen ist; zum anderen gilt es den Versuch, den wahren Charakter der norddeutschen ,Eolithe" zu ergründen.