Original paper

Über Strandverschiebungen im hannoverschen Oberen Jura.

Stille, Hans

Kurzfassung

Die Deistermulde, das Gebiet der Schichten der marinen Unteren Kreide zwischen dem Deister im Süden, dem Stemmer und Gehrdener Berge im Norden, wird nach Osten von den Hügeln zwischen Pottholtensen und Bennigsen begrenzt, von denen der Süllberg in geologischer Beziehung besonderes Interesse verdient. Den Gipfel dieses Berges bedeckt der Serpulit, das oberste Glied des Weißen Jura, welcher der Hauptsache nach aus grauen, vielfach etwas bituminösen Kalken besteht, die in manchen Lagen von den Röhren der Serpula coacervata Blum. ganz erfüllt sind. Die Kalke sind bald massig, bald dünnbankig und von Lägen dunkler Letten unterbrochen; zwischen sie schalten sich ferner bunte, vorwiegend rote Mergel und Letten ein, die den weiter westlich am Deister das Liegende des Serpulit bildenden Münder Mergeln durchaus gleichen. In tiefem Niveau der Zone sind solche in einige Meter Mächtigkeit in einem verlassenen kleinen Steinbruche nordwestlich Bennigsen aufgeschlossen; andere, die eine Mächtigkeit von mindestens 20-30 m besitzen, finden sich in höherem Niveau und nehmen am Süllberge z. B. den sich von Norden zum Berggipfel hinaufziehenden Talgrund ein; die Oberflächenverbreitung dieser jüngeren und mächtigeren Zwischenzone bunter Mergel kommt in der kleinen Kartenskizze (Fig. 1) zum Ausdrucke. Auch von anderen Orten, wie Linden, bei Hannover, Hilsmulde und Osterwald sind bunte Mergel des Serpulit, allerdings in bedeutend geringerer Mächtigkeit, bekannt geworden, und bei Völksen am östlichsten Deister konnte ich sie auf Feldern am Lauseberge beobachten. Am westlichen Süllberg grenzt an den Serpulit mit einer Verwerfung der Wealdensandstein, der unter 15-20 ° nach Westen, nach der Deistermulde, einfällt.