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,Essbare Erde" von Deutsch-Neu-Guinea.

Meigen, W.

Kurzfassung

Von Herrn Prof. Dr. G. Boehm, hier, erhielt ich kürzlich eine Probe sog. eßbarer Erde zur Untersuchung, die ihm von Exzellenz Dr. Hahl, kaiserl. Gouverneur von Deutsch-Neu-Guinea, zugesandt worden war. Nach Mitteilung des Herrn Dr. Hahl stammt die Erde von Lakurefange an der Ostseite der Insel Neu-Mecklenburg. ,Der nördliche, flache Teil dieser Insel ist ein mächtiges, erst in jüngster Zeit gehobenes Riff. In dessen Vertiefungen, die keinen Abfluß zur See besitzen, haben sich weitausgedehnte Sümpfe gebildet. Die Koralle ist weithin zu Lehm verwittert. Darunter finden sich Erden, denen die Eingeborenen Heilkraft bei Magen- und Darmbeschwerden zuschreiben; zu diesen gehört die vorliegende Probe." Die Gewohnheit des Erdessens ist über die ganze Erde verbreitet und war schon im Altertum bekannt. Seitdem Hum-Boldt vor etwa hundert Jahren die Aufmerksamkeit, der wissenschaftlichen Welt darauf gelenkt hat, sind eine sehr große Zahl von Einzelbeobachtungen darüber gemacht und veröffentlicht worden. Zusammenfassende Darstellungen gibt es meines Wissens außer der von Humboldt nur zwei, eine ausführlichere ältere von Heusinger und eine etwas kürzere neuere von Lasch. Wenn Heusinger das Erdessen in allen Fällen als eine Krank- heitserscheinung (eine Begleiterscheinung der Malaria-Chlorose) erklären will, so geht er hierin ohne Zweifel viel zu weit; durch vielfache Beobachtungen kann diese Ansicht wohl als widerlegt gelten und besitzt heutzutage auch wohl kaum noch Anhänger. Wir müssen vielmehr annehmen, daß in verschiedenen Gegenden sehr verschiedene Beweggründe zu der eigentümlichen Gewohnheit des Erdessens Anlaß gegeben haben. Ich möchte sie auf folgende fünf Gruppen zurückfuhren, die sich jedoch nicht immer scharf trennen lassen, sondern vielfältige Übergänge zeigen.