Original paper

Ein Kreide ähnlicher, wahrscheinlich jungtertiärer Kalkmergel aus Kaiser-Wilhelmsland (Deutsch - Neu - Guinea).

Haupt, O.

Kurzfassung

Im Anfang dieses Jahres bekam Herr Prof. G. Boehm aus Deutsch-Neu-Guinea eine Kollektion von Gesteinen zugesandt, unter denen sich auch eine weiße kreideartige Gesteinsmasse vom Sattelberg bei Finschhafen befand. Durch die Gute des genannten Herrn erhielt ich das Material zur Untersuchung auf seine organische Zusammensetzung. Zu diesem Zwecke wurde ein doppelter Weg eingeschlagen. Einmal wurde das Material mit Salzsäure behandelt und der erhaltene kieselige Rückstand zur Herstellung der Präparate benutzt, das andere Mal das durch Schlemmen mit Wasser erhaltene Pulver dazu verwendet. Der auf ersterem Wege gewonnene kieselige Rückstand bestand unter dem Mikroskop zur größeren Hälfte aus Spongiennadeln, das Übrige wurde von Radiolarien- und Diatomeen-Schalen gebildet. Auch fanden sich zahlreiche Steinkerne von Foraminiferen darin vor, die meistens aus Glaukonit oder Eisenoxydhydrat bestanden. Der auf dem zweiten Wege durch Schlemmen mit Wasser erhaltene Rückstand zeigte dagegen neben den schon angeführten Organismen einen großen Reichtum an Coccolithen von z. T. riesiger Größe. Außerdem fielen durch ihre Menge kleine, bis 0,05 mm große, aus Kalkspat bestehende, zierliche Sechsstrahler und Platten von mehr oder minder regelmäßiger Ausbildung (s. Abb.) auf. Diese schon von Jukes-Browne und Harrison bei Besprechung der Radiolarienerden von Barbados als sog. ,Crystalloids" angeführte, von Sorby aus Ablagerungen von West-Java beschriebene und bereits von Ehrenberg aus den Kalken von Ober-Egypten und des Libanon abgebildete Kristalle sind durch die gütige Vermittelung des Herrn Prof. Haeckel, der Abbildungen derselben von Herrn Prof. Steinmann zugesandt erhielt, als die Kalkkörper aus der Lederhaut von Holothurien festgestellt worden.