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Betrachtungen zum Problem des Inlandeises in Norddeutschland und speziell in Pommern.

Deecke, Wilhelm

Kurzfassung

Das diluviale Eiszeitproblem Norddeutschland bietet so unendlich viele interessante Fragen, daß man es immer wieder in anderem Zusammenhang und von anderer Seite beleuchten muß. Trotz der 30 und mehr verschiedenen, teilweise sehr geistreichen Theorien wissen wir eigentlich noch immer nichts Bestimmtes über die Ursachen des ungeheuren Anschwellens der skandinavischen und kanadischen Eismassen, deren Folge vielleicht erst die Vergletscherung der im gemäßigten Klima liegenden Mittel- und Hochgebirge war. Die größte Ausdehnung des Inlandeises ist so etwas Isoliertes und Eigenartiges, daß man zu ihrem Verständnis wohl nur durch die Betrachtung und Analyse der kleineren Vereisungen gelangen kann, und als einen solchen Ausgangspunkt sehe ich die letzte Phase, das sog. Baltische Eis an. Damals blieb das zum letzten Male vorstoßende Eis, wie der mächtige Endmoränenbogen beweist, längere Zeit konstant auf einer Linie stehen, welche durch Jütland, Schleswig - Holstein, Lübeck, das mittlere und das südliche Mecklenburg nach der Uckermark läuft, bei Eberswalde-Oderberg die untere Oder überschreitet und auf der Wasserscheide des hinterpommerschen Landrückens bis in die hügelige Landschaft der Kassubei verläuft. Abgesehen von dem durch das Oderthal bezeichneten Lappen (Fürstenberg, Eberswalde, Arnswalde) schlingt sich die Endmoränenzone beinahe kreisartig um den südlichsten Zipfel Schwedens, um Schonen herum, derart, daß ein Kreis mit dem Mittelpunkte im Ringsjön-Gebiet, S. vom Småländer Hochland, mit etwa 300 km Radius diesen ganzen Endmoränenbogen faßt. Ich habe schon früher einmal gelegentlich auf die konzentrische Lage Schonens, der Oderbucht und der südlichen Ausbuchtung der baltischen Endmoräne hingewiesen und einen inneren Zusammenhang vermutet.