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Über die Lava-Vulkane auf Island.

von Knebel

Kurzfassung

Der Vulkanismus Islands ist in vieler Hinsicht von dem anderer Länder verschieden; namentlich gilt dies in Bezug auf zwei Umstände: 1. die Großartigkeit der vulkanischen Erscheinungen, 2. das Überwiegen magmatischer Ergüsse über die vulkanischen Explosionsprodukte. Die zuletzt genannte Eigentümlichkeit ist ganz besonders bezeichnend für den dortigen Vulkanismus. Es sind bei den verschiedenen geologisch jüngeren Eruptionen gewöhnlich nur Lavamassen aus dem Erdinnern ausgestoßen worden, während vulkanische Tuffe in den meisten Fällen fehlen, in anderen aber stark zurücktreten. Nur ausnahmsweise haben auch die neueren Vulkanausbrüche größere Gesteinsmassen in explosiver Weise zu Tage gefördert und so die Bildung von vulkanischen Tuffen veranlaßt. Die Formen der Lavaergüsse auf Island sind schon oftmals beschrieben worden. Sartorius von Waltershausen, Preyer und Zirkel, Keilhack haben uns lebendige Bilder derselben entworfen. Helland und Johnstrup haben ausgezeichnete Monographien einzelner Gebiete geliefert, und der isländische Reisende Thorwaldur Thoroddsen hat sie in seinen zahlreichen Publikationen erwähnt. Gleichwohl sind an diesen Gebilden noch sehr viel Studien zu machen. Denn die Unwirtlichkeit der großen Insel hat dem Forscher von jeher Schranken gesetzt, welche ihn auf im allgemeinen nur eng begrenztes Arbeitsgebiet verwiesen haben. Auch meine Studien sind naturgemäß nur Bruchstücke; aber ich habe wenigstens die hauptsächlichsten aller Gebilde kennen gelernt, welche der Vulkanismus auf jenem nördlichen Eiland hervorgebracht hat. Auch habe ich stets, soweit es irgend anging, mit größerer Muße, als dies sonst der Fall war, den einzelnen Studien obzuliegen vermocht. Wir glauben daher im folgenden den Versuch wagen zu dürfen, in kurzer Übersicht jene ungemein interessanten Verhältnisse darzustellen.