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Zur Geologie des Müsener Horstes.

Denckmann, August

Kurzfassung

Einem besonders glücklichen Zusammentreffen von Umständen habe ich es zu verdanken, daß ich meine ersten eingehenderen Untersuchungen im Siegerlande in einem Gebiete ansetzen konnte, dessen Gesteine sehr auffällige petrographische Merkmale und Unterschiede aufweisen. Hierdurch wurden Unterscheidungen von Sedimentgruppen sehr erleichtert, und das Verständnis sehr auffälliger tektonischer Erscheinungen ergab sich dadurch von selbst. Als ich im Sommer 1904 auf Veranlassung des Herrn Oberbergrat Bornhardt, der mich auf den ersten Exkursionen begleitete und in die Gangverhältnisse der Müsener Gruben einführte, zunächst eine oberflächliche Begehung des Müsener Gebirges ausführte, da wurde es schon nach wenigen Begehungen klar, daß die Gegend von Müsen einem außerordentlich stark verworfenem Gebiete angehört. Dieses Resultat meiner ersten Untersuchungen war umso auffälliger, weil es sich hier nicht um Klüfte so harmloser Art handeln konnte, wie sie bis dahin ausschließlich durch den Siegener Bergbau bekannt geworden waren, Klüfte, bei denen zumeist Verschiebungen oder Verwerfungen von wenigen Metern, in ganz seltenen Fällen einmal von 50 Metern in Frage kamen. Hier wurde sehr bald das Vorhandensein von Störungen, von Verwerfungen klar, deren gesamte Sprunghöhe hunderte von Metern betragen mußte. Die relativ schnelle Orientierung über die allgemeinen tektonischen Verhältnisse des Müsener Gebietes verdanke ich, wie ich bereits andeutete, der leichten Unterscheidbarkeit der in den Müsener Bergen zu beobachtenden Gesteinsgruppen. Es ließ sich schnell feststellen, daß hier zwei Formationen auftreten, eine, die vorwiegend aus roten Tonschiefern mit eingelagerten hellfarbigen Grauwackensandsteinen und Arkosen, bezw. Konglomeraten besteht, eine zweite, die keine bunten, nur graue bis dunkelgraublaue Schiefer enthält, deren Grauwackensandsteineinlagerungen von grünlichgrauer Färbung sind.