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Zur Frage des glazialen Stausees im Neisse-Tal.

Leppla, August

Kurzfassung

Über diesen Gegenstand brachte das 1. Heft 1906 der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin eine Abhandlung von Herrn E. G. Friedrich, auf die ich von Freunden aufmerksam gemacht wurde. Ich möchte nicht verhehlen, daß ich im ersten Augenblick dem Gedanken und den Schlußfolgerungen durchaus zustimmend gegenüber stand in der Erwartung, eine Reihe mir unbekannt gebliebener Tatsachen kennen zu lernen. Beim Lesen der Abhandlung konnte ich jedoch die Bedenken nicht unterdrücken, die sich mir aus dem Gegensatz zwischen den Beobachtungen und den Schlußfolgerungen aufdrängten. Vorausgeschickt sei, daß mir über den ,Stausee" im Steinetal keine Beobachtungen zur Verfügung stehen und daß ich mich demnach zu einer kritischen Äußerung nicht berechtigt halte. Auch das Kamenzer Becken, unterhalb Wartha habe ich nicht so begangen, wie das Niederschlagsgebiet der Neiße oberhalb Glatz. Wohl aber habe ich auf einigen Übersichtstouren das Gebiet oberflächlich kennen gelernt und den Beobachtungen in meiner ,Geologisch-hydrographischen Beschreibung des Niederschlagsgebietes der Glatzer Neiße" Ausdruck verliehen. Die Aufschlüsse, die Herr Friedrich beobachtet hat, sind mir aus meinen Begehungen von 1894 und 1899 mit Ausnahme der Kiesgruben bei Frankenberg östlich von Johnsbach bekannt. Ihnen schließen sich noch einige Beobachtungen am linken Neiße-Ufer bei Riegersdorf, Paulwitz und Eichvorwerk an, die sich bei der Prüfung der Stauprojekte am Pausebach ergaben. Als Haupteinwände gegen die Auffassung vom Vorhandensein eines glazialen Stausees in dem Becken Wartha - Kamenz möchte ich folgende Gesichtspunkte anführen. 1. Das Fehlen des Nachweises von glazialen Ablagerungen in der Sohle des Beckens, also unter den Schottern von Johnsbach, Dürrhartha, Grunau, Eichvorwerk und Klein-Lankwitz über dem Tertiär.