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Über die Dislokationen der Kreide und des Diluviums auf Rügen.

Philippi, Emil

Kurzfassung

Die Sturmflut vom 30./31. Dezember 1904 hatte an der Ostküste der Halbinsel Jasmund Aufschlüsse von außergewöhnlicher Schönheit geschaffen; auch in den zahlreichen Kreidebrüchen war manches Interessante zu sehen. Man konnte daher im Sommer 1905 unter sehr günstigen Bedingungen noch einmal die Frage prüfen, ob die Dislokationen der Kreide und des Diluviums auf glaziale Druckwirkungen zurückzuführen sind, wie Johnstrup bereits vor einem Menschenalter annahm, oder ob ihnen tektonische Bewegungen zu Grunde liegen, was von der Mehrzahl der Beobachter heutzutage für das wahrscheinliche angesehen wird. Nach der herrschenden Ansicht ist auf Jasmund und Arkona eine vordem einheitliche Kreide-Diluvialplatte durch zahlreiche Verwerfungen zerstückelt worden. Der Vortragende konnte jedoch lediglich Überschiebungen erkennen, die überwiegend südwestliches Einfallen zeigen. Im Hangenden wie Liegenden der Überschiebungsflächen beobachtet man häufig Schleppungen, die teils Faltungs-, teils Reduktionserscheinungen hervorgerufen haben. Unabhängig von diesen Schleppungen treten aber auch noch Sättel und Mulden, oft von großer Regelmäßigkeit, auf. Echte Verwerfungen konnten dagegen mit Sicherheit nicht nachgewiesen werden. An vielen Stellen finden sich isolierte Kreideschollen im Diluvium, bezw. Diluvialtaschen in der Kreide. Was man also beobachten kann, spricht für starken seitlichen Druck, nicht für vertikalen Zug, legt daher den Gedanken an glaziale Einwirkungen nahe. Diesem scheint allerdings die überwiegend südwestliche Fallrichtung der meisten Überschiebungen zu widersprechen, die sich nur durch eine von Südwesten her wirkende Schubrichtung erklären ließe.