Original paper

Über Beobachtungen während des Vesuv-Ausbruches im April 1906.

Michael, Richard

Kurzfassung

Heute vor 4 Wochen (am 4. April 1906) begann der große Ausbruch des Vesuv, der eine Zeitlang die allgemeine Aufmerksamkeit der weitesten Kreise beherrschte. Nach der letzten großen Kraftäußerung des Vulkans in den frühen Morgenstunden des 8. April und ihren unmittelbaren Folgeerscheinungen ist allmählich wieder Ruhe eingetreten, und man kann heute schon sagen, daß die Eruption zu Ende ist. Aus dem Wirrwarr der sich widersprechenden Zeitungsnachrichten und den vielen falschen und übertriebenen Meldungen, welche in die Welt gebracht wurden, wird es manchem Fernerstehenden schwer gefallen sein, sich ein richtiges Bild über die Reihenfolge, den Umfang und die Art der einzelnen Vorgänge zu verschaffen. Naturgemäß konnten anch die exakten wissenschaftlichen Untersuchungen erst sehr viel später einsetzen, da die ans Deutschland herbeigeeilten Fachgenossen erst gegen Ostern in Neapel eintrafen. Durch vereinte Bemühungen vieler ist aber zu hoffen, daß wir in nicht zu ferner Zeit ein völlig klares Bild der einzelnen Ereignisse bekommen werden. Wenn ich mir erlaube, heute schon über einige Beobachtungen während der Eruption zu berichten, so geschieht dies in der Annahme, daß vielleicht einige Angaben den Fachgenossen, welche sich nun ausführlicher mit der Eruption beschäftigen, von Nutzen sein können, da es mir vergönnt war, als Augenzeuge die meisten Vorgänge, von denen ich hier berichte, wahrzunehmen. Ein Zufall hat es auch gefügt, daß ich noch unmittelbar vor der Eruption als einer der letzten Besucher auf dem Vesuv und auf diese Weise in der Lage war, die späteren Erscheinungen während der Eruption aus unmittelbarer Nähe auf Grund frischester Erinnerung zu verfolgen. Soweit ich es jetzt übersehen kann, war zur Zeit der Eruption kein anderer deutscher Fachgenosse in Neapel.