Original paper

Schliesst einige Bemerkungen über seine Beobachtungen am Vesuv im April 1906 an.

Philippi, Emil

Kurzfassung

Leider hatte ich nicht das Glück, wie Herr Michael Zeuge der Eruption zu sein; als ich am 15. April in Neapel eintraf, waren die Lavaströme schon zum Stehen gekommen, oberflächlich sogar meist schon erkaltet und die Tätigkeit des Hauptkraters beschränkte sich auf die, allerdings noch recht lebhafte, Produktion feinster Aschen. Meine erste Exkursion galt dem Lavastrome, der Boscotrecase in zwei Äste geteilt durchflossen hat, von denen der westliche erst in 40 m Seehöhe am Friedhofe von Torre Annunziata Halt machte. Die Lava ist eine äußerst rauhe Block- und Schollenlava und behält diesen Charakter bis zu den Bocchen, wie ich später feststellen konnte, bei. Ihre Mächtigkeit dürfte im Durchschnitt 2-5 m betragen. Gasexhalationen waren in den unteren Teilen des Stromes 8 Tage nach seinem Ausbruch noch an sehr vielen Stellen zu beobachten; neben Schwefelverbindungen und Salzsäuredämpfen scheint auch Arsen in ihnen vertreten gewesen zu sein, das sich durch einen widerlichen Knoblauchgeruch verrät. Wo die Lava mit Vegetation in Berührung trat, hat in vielen Fällen eine Sublimation von Salmiak stattgefunden. Die Brandwirkungen, die der Lavastrom in seinen unteren Teilen ausgeübt hat, sind meist auffallend geringfügig; in unmittelbarer Berührung mit der Lava sind Gras und Kräuter selbst meist nur verdorrt, nicht verbrannt, Weinstöcke und Bäume weisen aber zuweilen überhaupt keine Beschädigung auf; in vielen Fällen sind Häuser, die die Lava umschloß, wohl auseinander gerissen worden, der stehen gebliebene Teil verbrannte aber nicht; oft sieht man mitten auf dem Strome entwurzelte Pinien, deren Nadeln unversehrt blieben. Daneben aber konnte man von den Einwohnern Gläser und Eisenwaren aus den zerstörten Teilen von Boscotrecase kaufen, die vollständig geschmolzen waren.