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Zur Kritik der Interglazialbildungen in der Umgegend von Berlin.

Wahnschaffe, Felix

Kurzfassung

In zwei jüngst erschienenen Aufsätzen von Herrn F. Wiegers Über ,die natürliche Entstellung der Eolithe im norddeutschen Diluvium" und, von Herrn H. Menzel ,Über die erste (älteste) Vereisung bei Rüdersdorf und Hamburg und die Altersstellung der Paludinenschichten der Berliner Gegend" ist die Ansicht vertreten worden, daß sich im norddeutschen Flachlande sichere Beweise nur für eine einzige Interglazialzeit und demnach allein für zwei Vereisungen fänden. Beide Verfasser weisen darauf hin, daß die Annahme einer dritten, ältesten Vereisung sich auf den Nachweis eines tiefliegenden Geschiebemergels in einer Reihe von Bohrungen bei Rüdersdorf und Hamburg gründe und heben übereinstimmend hervor, daß durch diese Bohrungen für die betreffenden Gebiete überhaupt nur zwei Geschiebemergel nachgewiesen seien. Von einer Besprechung der Hamburger Bohrungen will ich hier absehen, da ich nicht zu entscheiden vermag, inwieweit die von Gottsche angeführten Gründe für eine dritte, älteste Vereisung bei Hamburg stichhaltig sind. Während aber Menzel mit Recht angibt, daß Gottsche aus der großen Mächtigkeit des hängenden Geschiebemergels seine Zugehörigkeit zum unteren Diluvium gefolgert habe, ist er im Irrtum, wenn er mir dieselbe Beweisführung bei der Beurteilung der Rüdersdorfer Grundmoränen zuschreibt. Da in beiden Aufsätzen das Rüdersdorfer Diluvialprofil unvollständig, weil ohne Berücksichtigung der geologischen Karte, dargestellt ist und ich außerdem in den Menzel'schen Ausführungen eine Stellungnahme zu der Rixdorfer Säugetierfauna ganz und gar vermisse, so sehe ich mich genötigt, nochmals auf die Tatsachen näher einzugehen, die für ein zweifaches Interglazial in dem Berliner Diluvium und, folglich für eine dreifache Vereisung dieses Gebietes sprechen.