Original paper

Über das physikalische Verhalten des vulkanischen Magmas.

von Wolff, Ferdinand

Kurzfassung

Durch die Untersuchungen, die G. Tammann an einer großen Reihe organischer und anorganischer Körper über die Änderungen des Aggregatzustandes, speziell Ober das Abhängigkeitsverhältnis von Volumen, Temperatur, Druck und Energieänderungen angestellt hat, ist eine Fülle neuer Gesichtspunkte gewonnen worden, die für die Erklärung der vulkanischen Erscheinungen die größte Beachtung verdienen. Die Stübel'sche Vulkantheorie beruht bekanntlich auf der Voraussetzung, daß während des Erkaltungsprozesses das vulkanische Magma eine Phase der Volumenvermehrung durchmacht. Tammann hat gezeigt, daß ein und dieselbe Substanz je nach den Druckverhältnissen unter Volumenkontraktion und -dilatation kristallisieren kann. Es muß daher vor allem die Frage beantwortet werden, wie verhalten sich die Silikate in dieser Beziehung. Kristallisation der Silikate bei Atmosphärendruck. Auf experimentellem Wege untersuchte Doelter die Volumenverschiedenbeiten des flüssigen und festen Zustandes von Silikaten, indem er das spezifische Gewicht der geschmolzenen Silikatmasse durch Schwimmversuche mit Indikatoren von bekannter Dichte zu ermitteln suchte. Er kam zu folgenden Ergebnissen: In allen Fällen war das spezifische Gewicht der flüssigen Schmelze geringer, als das des betreffenden festen Gesteins. Daß die Gesteinsgläser spezifisch leichter sind als dieselben kristallisierten Gesteine, ist eine hinlänglich bekannte Tatsache. In derselben Weise verhielten sich künstliche kristallisierte Gesteine und Gesteinsgläser, die ans Schmelzen gewonnen wurden. Die Dichten der flüssigen Schmelzen und der festen, amorphen Gläser zeigten nur sehr geringe Unterschiede.