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Diluvium in Südamerika

Steinmann, [Gustav]

Kurzfassung

Für die Lösung wichtiger Fragen der Diluvialgeologie ist kein zweiter Kontinent in gleichem Maße geeignet wie Südamerika, denn nur dieses enthält ein Gebirge, das sich mit bedeutender durchschnittlicher Erhebung ohne Unterbrechung von hohen Breiten der Südhalbkugel (56 ° S. B.) über den Äquator hinweg bis zu 10 ° N. B. erstreckt. Dieser Umstand gestattet ein schrittweises Verfolgen der diluvialen, ganz besonders der glazialen Erscheinungen im Hochgebirge unter stetig wechselnder Breite im Bereiche beider Halbkugeln. Zugleich ermöglicht es der meridionale Verlauf der Kordillere, von der die Eismassen gegen O und W abgeflossen sind, die gegenseitigen Lagenbeziehungen zwischen den glazialen und fluvioglazialen Absätzen einerseits und den äologlazialen andererseits unzweideutiger festzulegen als auf der Nordhalbkugel. Denn hier verlaufen die Gebirge größtenteils in der Richtung der Breitengrade und die Inlandeismassen der Diluvialzeit haben sich hier vorwiegend in der Richtung vom Pol zum Äquator bewegt. Wollen wir die Diluvialbildungen Südamerikas mit denen der Nordhalbkugel vergleichen und aus diesem Vergleiche Folgerungen von allgemeiner Bedeutung ziehen, so haben wir vor allem festzustellen, ob sich die wichtigsten Klassen der kontinentalen Absätze, die wir auf der Nordhalbkugel unterschieden haben, dort wiederfinden, weiterhin ob und inwieweit sie bezüglich ihrer Erscheinungsform und ihrer Gliederung in beiden Gebieten übereinstimmen. Das wären, wenn wir von den marinen Bildungen absehen, die folgenden vier Hauptgruppen, die ich als glaziale, fluvioglaziale, limnoglaziale und äologlaziale unterscheide. Bisher hat man wesentlich nur den glazialen Bildungen einige Aufmerksamkeit geschenkt, über die anderen sind wir noch wenig genau oder gar nicht unterrichtet.