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,Glaziale Schichtenstörungen im Tertiär und Diluvium bei Freienwalde a. O. und bei Fürstenwalde"

Wahnschaffe, Felix

Kurzfassung

Die Wirkungen des Inlandeises auf die lockeren Ablagerungen des Tertiärs und auf die vor dem vorrückenden Eise abgelagerten Glazialbildungen sind im norddeutschen Flachlande vielfach nachgewiesen, wo durch tiefere Gruben-Aufschlüsse oder durch eine Reihe nahe bei einander gelegener Tiefbohrungen die Lagerungsverhältnisse bekannt geworden sind. Dort, wo das Inlandeis mehr oder weniger weit vom Randgebiete entfernt als eine einheitliche, spaltenfreie Masse von großer Mächtigkeit dem Boden auflag, bestanden diese Wirkungen infolge der bedeutenden Schwere der auflastenden Eismassen in einer starken vertikalen Zusammenpressung der Untergrundschichten und namentlich der abgelagerten Grundmoränen, die bekanntlich bei größerer Mächtigkeit und toniger Beschaffenheit oft eine außerordentlich feste Masse bilden. In derartigen Grundmoränen ist häufig als eine Folge des Druckes eine gewisse Schieferung zu beobachten, auch sind sie zuweilen so fest zusammengepreßt, daß sie beim Abbau mit Pulver fortgesprengt werden müssen. Da nun das Gletschereis sich stetig nach dem Randgebiete hin fortbewegt und immerwährend eine Abschmelzung seiner unteren mehr oder weniger reichlich mit Schutt beladenen Partien stattfindet, so tritt je nach Umständen entweder eine fortdauernde Anhäufung von Grandmoräne ein, oder die Eismassen erodieren ihre Unterlage, führen Schutt hinweg und schaffen auf diese Weise Becken und Rinnen. Nur wo das Inlandeis im norddeutschen Flachlande auf einer ebenen oder flach abwärts geneigten Fläche ohne Widerstand sich fortbewegen konnte, fand eine gleichmäßige Ablagerung von Geschiebemergel, oder falls die Gletscherschmelzwässer in ausgiebiger Weise auf die Grundmoräne einwirken konnten, von Geschiebesand statt.