Original paper

Über die Auswertung erdmagnetischer Linien zur Erkennung des geologischen Schichtenbaues.

Jentzsch, Alfred

Kurzfassung

Seit Ed. Naumann S Arbeiten über Japan hat der Zusammenhang der erdmagnetischen Linien mit dem geognostischen Aufbau des Landes Physiker und Geologen beschäftigt. Daß ein solcher Zusammenhang besteht, ist dem Verfasser nicht zweifelhaft. Aber, wenn er besteht, bleibt noch immer der Mechanismus der Wirkungen strittig, weil man nicht den Anteil der verschiedenen Erdtiefen an den magnetischen Vorgängen kennt und weil höchstwahrscheinlich die örtlichen Ablenkungen erdmagnetischer Linien als Componenten sehr verschiedenartiger Einflüsse zu denken sind. Wenn hin und wieder die Ausbiegungen der erdmagnetischen Linien Beziehungen zu dem Verlaufe geognostisch nachgewiesener Störungen der Schichtengrenzen zeigt, so bleiben selbst dann betreffs der Arten des ursächlichen Zusammenhanges sehr verschiedene Möglichkeiten offen. Große Vorsicht ist deshalb in der Deutung solcher Kurven dringend geboten. Wahrend in gebirgigen Ländern der Zusammenhang vorwiegend geophysikalisches Interesse besitzt, liegt es nahe, in Flachländern mit mächtiger Schuttdecke umgekehrt aus den magnetischen Linien geognostische Schlüsse ableiten zu wollen. Mit Recht mußte es schon vor einer Reihe von Jahren die Aufmerksamkeit ostdeutscher Geologen erregen, als Herr Neumayer-Hamburg die örtlichen magnetischen Störungen hervorhob, welche östlich der Weichsel bemerkt wurden. Als vor 2 Jahren Herr Adolf Schmidt, der Leiter des magnetischen Observatoriums zu Potsdam, in der Berliner Gesellschaft für Erdkunde magnetische Karten Norddeutschlands vorlegte, hob auch Verfasser einige überraschende Beziehungen hervor, welche er zwischen den örtlichen Störungen der magnetischen Linien und dem von ihm erkannten oder gemutmaßten Aufbau des tieferen Untergrundes in Ost- und Westpreußen und Posen zu erkennen glaubte. In sinnreichster Weise ist soeben Herr Deecke diesen Beziehungen nachgegangen.