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Interglaziale Ablagerungen im Etschtalgebiete.

Penck, [Albrecht]

Kurzfassung

Das Etschtal und untere Sarcatal erhalten ihr charakteristisches Gepräge durch sehr ausgedehnte postglaziale Ablagerungen, vornehmlich durch Schuttkegel seitlicher Wildbäche, aber auch durch mächtige Bergstürze, unter welchen die Lavini di Marco eine große Rolle spielen. Bemerkenswerterweise finden sich auch Überreste ähnlicher Ablagerungen höheren Alters, die mit mehr oder minder großer Sicherheit als interglaziale bezeichnet werden können. Es kommen hier in Betracht: 1. der interglaziale Schuttkegel an der Mündung des Varone-Baches bei Riva. Auf die Ähnlichkeit dieser Ablagerung mit der Höttinger Breccie hat bereits 1892 Blaas hingewiesen. Die lose verkittete Nagelfluh, von der Bevölkerung Scaramuz genannt, wird hier von Moränen überlagert; sie ihrerseits reicht, in ihren äußersten Ausläufern bis über die Vorkommnisse der Pietra Morta bei Ceole, in welcher gekritzte Geschiebe vorkommen. Die Ablagerung befindet sich also zwischen Glazialbildungen. Spärliche Reste einer Conchylienfauna in ihr deuten jedoch auf ein mildes Klima, weswegen sie selbst als interglazial zu bezeichnen ist. 2. Oberhalb Rovereto findet sich bei Pederzano eine bereits von Vacek beschriebene Konglomeratbildung, welche von den Moränen der Gegend bedeckt wird, und die auf einer großen groben Breccie auflagert, die sich ihrerseits als ein alter Bergsturz darstellt. In den Trümmern desselben findet sich ein großer Block von Porphyr, dem man nur einen erratischen Ursprung zuweisen kann.