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Cryphaeus in den Siegener Schichten.

Schmidt, W. Erich

Kurzfassung

Als ich im Sommer 1906 im Auftrage der Königl. preuß. geol. Landesanstalt die Ausbeutung der größtenteils von Herrn Professor Dr. Denckmann entdeckten Versteinerungsfundpunkte des Siegerlandes betrieb, fanden sich gar nicht selten zwei Cryphaeus-Arten, die beide neu sind. Die eine dieser Arten ist für den Paläontologen von großem Interesse, da sie einerseits als der Urahne der ganzen Cryphaeus-Reihe aufgefaßt werden muß und anderseits den phylogenetischen Anschluß der interessanten Gattung Cryphaeus an die ältere, im wesentlichen silurische Gattung Acaste als sehr wahrscheinlich erscheinen läßt. So lange mir keine gut erhaltenen Schwanzschilder vorlagen, bestimmte ich diese Form, die ich Cryphaeus atavus nennen will, als Acaste. Das ganzrandige Schwanzschild ließ auch wohl kaum eine andere Gattungsbestimmung zu. Es fanden sich auch besser erhaltene Steinkerne des Schwanzschildes, und an diesen ließ sich deutlich wahrnehmen, daß der Außenrand des Schildes tatsächlich ganzrandig, ohne Zacken war, daß aber die Gesteinslamelle des Steinkerns, welche die Ausfüllung des Umschlages darstellt, deutlich vier Paare von ganz schwachen Zacken besitzt. Die Bildung der Schwanzanhänge ist also bei C. atavus in den ersten Anfängen stehen geblieben; der Inneuraum des Pygiuiums besitzt an seinem Rande nur vier Ausstülpungen in die Schale hinein, ohne daß diese Ausstülpungen tief genug wären, um äußerlich in Form von Buckeln oder lappigen Anhängen sichtbar zu werden. Alle übrigen Arten von Cryphaeus haben fünf paarige Schwanzanhänge, C. atavus nur vier deutlichere Anhangsanlagen, ein fünftes Paar kann man nicht mehr wahrnehmen. An der Rhachis lassen sich, allerdings noch nicht sehr deutlich, die vier ersten Ringe von den folgenden schmäleren Ringen unterscheiden, ein für die jüngeren Cryphäen charakteristisches, Acaste fehlendes Merkmal.