Original paper

Über die Frage der Orlauer Störung im oberschlesischen Steinkohlenbecken.

Michael, Richard

Kurzfassung

Die Ablagerungen des oberschiesischen Steinkohlenbeckens lassen sich zunächst nach geologischen Gesichtspunkten und auch nach ihrer räumlichen Verteilung in zwei große Abteilungen gliedern, von denen die älteren Schichten der Randgruppe sich auch durch das Vorkommen mariner Zwischenlagen von den jüngeren Schichten der Muldengruppe unterscheiden. Allgemein, namentlich aber für die sattelförmige Erhebung der Karbonschichten im nördlichen Teile des Hauptbeckens ist für den tiefsten Teil der jüngeren Schichtengruppe eine ungewöhnlich starke Anreicherung der Kohlenflöze charakteristisch, die als Sattelflöze bezeichnet und auch aus praktischen Gesichtspunkten als eine besondere Gruppe der Sattelflöze unterschieden werden. Die tieferen Schichten sind an den Rändern der großen Steinkohlenmulde entwickelt, in größter Ausdehnung im westlichen Randgebiet, wo dieselben eine kleinere Randmulde für sich bilden. Die zahlreichen seit den 80er Jahren südlich des Hauptsattelzuges ausgeführten Bohrungen hatten nun in einer nordsüdlichen Zone zwischen Gleiwitz einerseits und Orlau in Österreichisch-Schlesien andrerseits auf der einen Seite zweifellos Schichten der Muldengruppe, auf der andern Schichten der Randgruppe ergeben. Dieser auffällige Gegensatz mußte bei den früheren Vorstellungen von den Lagerungsverhältnissen zu der Annahme einer großen Störungszone führen, welche die westliche Rand von der großen Binnenmuldo trennt. Zu den gleichen Ergebnissen waren sowohl Ebert wie Gaebler gelangt; letzterer hat sich ganz besonders mit der von ihm als Orlauer Verwurf bezeichneten Hauptstörung beschäftigt, die nunmehr seit Jahren den hervorstechendsten und eigenartigsten Zug in der oberschlesischen Karbongeologie bildete.