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Über einige isländische Lavavulkaue.

Sapper, Karl

Kurzfassung

Unter den vielgestaltigen vulkanischen Gebilden Islands rufen die schildförmigen Lavavulkane ein besonderes Interesse hervor, weil derartige Erscheinungen anderwärts nur an wenigen Stellen der Erde zu beobachten sind. Leider ist es mir auf meiner Sommerreise nach Island im Jahre 1906 nur gelungen, drei dieser eigenartigen Vulkane zu besuchen, so daß ich nur wenig zu der neuerdings durch Herrn W. v. Knebel angeregten Frage nach der Entstehung derselben beitragen kann. Der erste von mir auf Island besuchte Lavavulkan war der Selvogsheidi auf der Halbinsel Reykjanes, ein sehr flach ansteigender Hügel von bedeutender Flächenerstreckung, der auch von Th. Thoroddsen und W. v. Knebel besucht worden war. Er steigt vom Meer aus bis 190 m (nach Thoroddsen 182 m) an, wobei die Böschung in den höheren Regionen 3° betragt, und lehnt sich im Norden (Böschung 2°) an den Abfall des Hochlandes von Reykjanes an. Überall am Berghang steht die Lava an, vielfach mit wenig erhabenen wohlerhaltenen oberflächlichen Runzeln. Zahllose flache Kuppeln, die zum Teil eingestürzt sind und damit einen Einblick in den inneren niedrigen Hohlraum gewähren; bedecken die Gehänge des Berges. Leider fand ich aber größere Aufschlüsse nirgends. In der Nähe des Gipfels erheben sich in unregelmäßiger Anordnung etliche steile Spitzen 5 bis 16 m über die Umgebung, die wohl als eine Art Spratzkegel aufzufassen sind. An einigen derselben sind schlierenartig gewundene Rippen und sehr wohl individualisierte Säulen von rundlichem oder eingekerbt wulstigem Querschnitt (Fig. 1) in senkrechter Stellung sichtbar und an einzelnen umherliegenden Bruchstücken oder abgebrochenen noch stehen- den Stümpfen bemerkt man, daß dieselben im Innern einen recht ansehnlichen Hohlraum, zuweilen von 25 bis 30 cm Durchmesser, besitzen.