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Cardium Neptuni

Böhm, Joh.

Kurzfassung

Nachdem H. B. Geinitz an Material aus dem sächsischen Quader erkannt hatte, daß die von Goldfuss: Petrefacta Germaniae II, Taf. 144, Fig. 9 a, dargestellte Bivalve aus dem Grünsande des Waldenburger Gebirges nicht der Gattung Cardium angehöre, und sie zu Mytilus gestellt hatte, reihten sie D'orbigny, der mit einigem Zweifel eine französische Turonspezies mit Cardium Neptuni Goldf. identifizierte, in die Gattung Pinna, Pictet und G. Müller in die Gattung Avicula ein. Die durchaus endständige Lage des Wirbels, der schinkenförmige Umriß, die von einer vom Wirbel zur vorderen Unterecke verlaufenden Kante, die zum Vorderrande rasch, zum Hinterrande sanft abfallende Schale, die Skulptur der Oberfläche (vgl. z.B. Db Loriol, Roger et Tombeck: Haute-Marne, Taf. 20, Fig. 3) und die Gestaltung des hinteren Schließmuskels weisen auf engen, genetischen Zusammenhang des cenomanen ,Cardium" Neptuni mit einer übereinstimmend gestalteten Form aus dem Weißen Jura hin, welche bislang mit einer flachen, langgestreckten Form unter Pinna granulata Sow. zusammengefaßt wurde. Aus dem Umstand, daß jener gedrungenere Typus sich mit wenigen Unterbrechungen vom Kimmeridge bis zum Obersenon (Avicula baltica Ravn) verfolgen läßt, geht hervor, daß er gegenüber dem schlanken, anscheinend im Neokom erlöschenden Typus eine selbständige Formenreihe darstellt, für deren oberjurassischen Vertreter, der, wie erwähnt, bislang mit P. granulata vereinigt wurde, Vortr. den Speziesnamen solida vorschlägt. Dem gleichaltrigen Vertreter der schlanken Formenreihe verbleibt der Artname granulata.