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Pflanzengeographisches aus der paläozoischen Flora.

Gothan, Walter

Kurzfassung

Entgegen der allgemein herrschenden Ansicht, daß die Pflanzendecke im Paläozoikum - besonders im Karbon (Reste früherer Formationen kann man zu pflanzengeographischen Betrachtungen wegen ihrer Spärlichkeit nicht wählen) - auf vergleichsweise große Erstreckungen hin gleichförmig war, kann man nachweisen, daß sich außerordentlich fühlbare Lokalfärbungen in der Karbonflora, speziell auch in der deutschen, nachweisen lassen. Man teilt für Betrachtungen der vorliegenden Art die Karbonreviere - es sollen besonders die europäischen betrachtet werden - vorteilhaft ein in paralische (meeresnahe mit marinen Zwischenschichten) und Binnenreviere. Von den ersteren sollen insbesondere die am Nordende des variscischen und armorikanischen Bogens gelegenen betrachtet werden: englische Reviere, Valenciennes, Belgien, Aachen, Ruhrrevier, Oberschlesien; von den Binnenrevieren: das Saarrevier, das Zwickauer und Niederschlesisch-Böhmische Becken. Mit dieser Einteilung führt man zugleich ein biologisches Moment in die Untersuchung ein, die Meeresnähe und Meeresferne, die auf die Luftfeuchte in der damaligen Zeit ebensogut ihren Einfluß geäußert haben wird wie heute. Die paralischen Reviere des variscischen Bogens (Valenciennes bis Oberschlesien) zeigen verschiedene floristische Übereinstimmungen, die sie in Gegensatz zu den Binnenrevieren bringen. Am auffälligsten ist das Verhalten der Lonchopteris-Arten, die sich um die häufigsten Arten L. Bricei und rugosa gruppieren. Sie sind in allen paralischen Revieren des variscischen Bogens in gewissen Schichten vorhanden, und zwar sehr häufige Fossilien, die man schon wegen der Maschenaderung nicht übersehen kann.