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Den Ursprung des Ammoniaks der Laven.

Sommerfeldt

Kurzfassung

Eine oft genannte Erklärung für das Vorkommen von Ammoniak in Laven hat Bunsen geliefert, nachdem schon vorder von Scacchi und Ramieri Beobachtungen über das Vorkommen von Ammoniak bzw. Ammoniaksalzen am Vesuv gemacht worden waren. Sicherlich trifft für viele Fälle die Erklärung Bunsens, nach welcher durch Verbrennung von organischen (besonders pflanzlichen) Stoffen sich die Ammoniakderivate an der Erdoberfläche gebildet haben sollen, zu; aber schon Develle und Daübrée machten bald nach der Aufstellung von Bunsens Hypothese auf Fälle aufmerksam, in welchen sich trotz der Abwesenheit organischer Stoffe Ammoniaksalze in Laven gebildet haben. Besonders aber hat die letzte Eruption des Vesuvs die Annahme nahegelegt, daß durchaus nicht für alle Fälle die Erklärungsweise Bunsens zutreffe, daß vielmehr ein Teil der Ammoniumderivate in vulkanischen Produkten anorganischen Prozessen seinen Ursprung verdanke. Diese Erkenntnis kann man als das gemeinsame Resultat der Arbeiten von Quensel und Stocklasa bezeichnen. Letzterer Autor entwickelt noch nähere Annahmen über die Art dieses anorganischen Prozesses, und zwar faßt Stocklasa dieses Vorkommen von Ammoniak ,als eine Äußerung der Entgasung des Erdinneren" auf. Jedoch scheint mir diese Auffassung Stocklasas auf Schwierigkeiten zu stoßen; denn es müßten, wenn schon im Erdinneren das vulkanische Magma Stickstoff enthielte, auch in den Tiefengesteinen mikroskopisch Stickstoffverbindungen sich nachweisen lassen. Besonders Stickstoffsilicium wäre wegen des hohen Siliciumgehaltes der Magmen zu erwarten, und es existiert eine äußerst beständige derartige Verbindung, die nicht etwa durch sekundäre Prozesse aus den Tiefengesteinen wieder entfernt sein könnte.