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Das Diluvium an der Ems und in Ostfriesland. Kritische Bemerkungen zu Bielefelds Geest Ostfrieslands.

Schucht, F.; Tietze, O.

Kurzfassung

J. Martin hat in einer Reihe kleiner Schriftchen, die im Laufe der Jahre 1892 bis 1906 erschienen sind, die Diluvialgeologie des Emsgebietes und der benachbarten Länder behandelt nach einem Verfahren, das von Geologen, die sich vorwiegend mit den Aufnahmen diluvialer Landschaften zu beschäftigen haben, wenig gebilligt werden konnte. Jeder Flachlandgeologe weiß, wie gewagt es ist, auf die bloße, durch die Karten gegebene topographische Grundlage und die wenigen durch Ziegeleien oder Sandgräbereien zufällig gegebenen oder auch da und dort künstlich geschaffenen Aufschlüsse hin weitgehende Schlüsse über den inneren Aufbau eines Diluvialgebietes zu ziehen. Vorwiegend auf Grund seines Studiums einschlägiger Werke konstruirte Martin ein Schema der diluvialen Schichtenfolge und ein System der diluvialen Oberflächengebilde. In dieses System auf jenes Schema ordnete er alles ein, was er auf seinen Streifzügen durch das Land zu sehen bekam. Jenes Schema lautet: Spätfluviatil Späthvitåglazial Inglazial Subglazial Frühvitåglazial Frühfluviatil. Das System der diluvialen Höhengliederung ist dies: Alle diluvialen Höhen sind zweierlei Art: solche, die dem Eisrand ungefähr parallel gehen, und solche; die mehr oder minder senkrecht dazu stehen. Da die ehemalige Lage des Eisrandes in dem in Rede stehenden Gebiete sich bis jetzt an keiner Stelle mit Sicherheit hat nachweisen lassen, so ist es mit Anwendung dieses System leicht, je nach Belieben die Höhen so oder so zu deuten, bald als Endmoränen, bald als Åsar; ein drittes existiert für Martin nicht. Das Resultat seiner Arbeiten in dieser Richtung hat er uns überliefert in einem kleinen Kärtchen, das die von ihm nachgewiesenen Endmoränen und Åsar Hollands und des Emsgebietes darstellt. Wenn wir auch nicht leugnen wollen, daß vielleicht einmal zutreffen kann, daß das eine oder andere der von ihm entdeckten Diluvialgebilde als das gedeutet werden muß, als was Martin es auffaßt, so können wir doch jetzt schon für das von uns aufgenommene Gebiet erklären, daß seine Annahmen hier nicht zutreffen.