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Über die Frage der Ausdehnung der Silikate beim Erstarren.

Doelter, C.

Kurzfassung

Die Frage, ob Silikate sich beim Schmelzen ausdehnen oder zusammenziehen, beschäftigt die Geologen noch immer, obgleich die Physiker sich längst für die Anschauung entschieden haben, daß keine Ausdehnung bei der Erstarrung eintrete. Es ist verlockend, eine Ausdehnung des Magmas beim Erstarren zur Erklärung der vulkanischen Erscheinungen heranzuziehen, wobei aber übersehen wird, daß das Magma ja aus einem Gemenge von Silikatschmelzlösung und von Gasen besteht, und es viel naheliegender ist, letztere zur Erklärung zu benützen, da ja die Ausdehnung des Silikates, selbst wenn sie nämlich erwiesen wäre, keine so große sein kann, um gewaltige explosive Erscheinungen herbeizuführen, um so mehr, als die Erstarrung eines Silikates infolge der Unterkühlung langsam vor sich geht. Die Frage, ob Silikate sich beim Schmelzen ausdehnen, ist daher mehr von theoretischem Interesse als von praktischem für die Geologie, da gasfreies Magma ja nicht existiert. Die Ansicht der Physiker und Mineralogen, daß reines Silikat sich beim Schmelzen ausdehnt, stützt sich 1. auf die Bestimmung des spezifischen Gewichtes des kristallisierten und desselben glasigen Silikates, 2. auf direkte Beobachtung der Ausdehnung, 3. auf Schwimmversuche in Schmelzen. Was den ersten Punkt anbelangt, so liegen von sehr vielen Forschern seit 50 Jahren zahlreiche Bestimmungen vor, die die Ausdehnung beim Schmelzen an und für sich genügend beweisen. Ebenso liegt eine direkte Bestätigung der Ausdehnung beim Schmelzen durch die berühmte Arbeit von Barus für Diabas vor.