Original paper

Die Entstehung des brandenburgischen Odertales.

Solger, Friedr[ich]

Kurzfassung

Als ich vor etwa 3 Jahren in der Geologischen Gesellschaft zum letzten Male sprach, schloß ich meine Mitteilungen über den Teltow-Kanal mit dem Hinweis auf gewisse Gründe, aus denen ein Verlauf der Eisrandlagen der letzten großen Vergletscherung quer zu den sogenannten Urstromtälern stellenweise wahrscheinlich wurde. Da dieser damals nur nebenbei berührte Gedanke lebhaften Widerspruch fand, so habe ich ihn seitdem nach den verschiedensten Richtungen hin nachgeprüft, habe ihn aber in unerwartetem Umfange bestätigt gefunden. In einem vor kurzem veröffentlichten Aufsatze über das Barutber Haupttal habe ich dann an der Hand der Morphologie dieses Tales nachzuweisen gesucht, daß es nicht von einem einheitlichen Schmelzwasserstrome in seiner ganzen Länge benutzt worden ist. Damit fällt es als ,Urstromtal" fort. Ich habe weiter aus den Abflußwegen, die morphologisch erkennbar sind, die Lage des Eisrandes während seines Rückzuges durch dieses Gebiet festzustellen gesucht. Ich kam dabei zu der Überzeugung, daß die Täler der Plane, der Nuthe und teilweise auch der Spree solchen Eisrandlagen entsprechen, und es ergab sich daraus die große Wahrscheinlichkeit, daß auch die Berge, die die Oder im Westen begleiten, im engen Zusammenhange mit einer Stillstandslage des Eises stehen. Dieser Punkt ist es, über den ich heute sprechen möchte. Wie die Weichsel, so hat auch die Oder die merkwürdige Eigenschaft, fast unmittelbar an ihrer westlichen Wasserscheide zu fließen und nur von Osten größere Flüsse aufzunehmen. Wenn wir von Neiße und Bober absehen, so gibt es nur 3 Punkte innerhalb der Provinz Brandenburg, an denen die Oder nennenswerte westliche Zuflüsse erhält. Es sind die Schlaube, Stobber und Finow.