Original paper

Neue Mitteilung über ein steinzeitliches Kulturrelikt unter dem orientalischen Ackergerät.

Berg, Georg

Kurzfassung

Vortragender zeigte einige lange messerartige Flintsplitter vor, welche trotz ihres rohen ,paläolithischen" Ansehens rezenter Entstehung sind und aus der asiatischen Türkei stammen. Man erzeugt sie zur Herstellung der kleinen, wenig über Daumennagel großen Steinsplitter, mit denen die Unterseite des oft beschriebenen orientalischen Dreschschlittens besetzt wird (vgl. hierüber E. Naumann, Wetzstein Sen., Virchow u.a.). Die Form der hier vorgelegten Splitter zeigt, daß zur Herstellung des Materiales zuerst lange Flintmesser von einem ,Nucleus" abgeschlagen, und diese dann in einzelne kurze Stücke geteilt werden. Es ist dies genau dieselbe Technik, wie sie zur Diluvialzeit in Mitteleuropa, zur Toltekenzeit in Mexiko gebräuchlich war. Da zur Erzeugung der kleinen Splitter der Umweg über die langen messerförmigen Klingen gar nicht nötig ist, so liegt also hier ein steinzeitliches Kulturrelikt in einem Gebiet verhältnismäßig hochentwickelter Technik vor. In Einklang hiermit steht auch das nachweislich hohe alter des Dreschschlittens, der schon im Alten Testament erwähnt wird, über weite Gebiete Asiens in ganz gleicher Form verbreitet ist und vom Volk zu allerlei symbolischen Handlungen (als Brautthron, Totenbahre usw.) gebraucht wird.